Der Journalismus befindet sich gegenwärtig in einem Transformationsprozess, der für Harald Rau, Herausgeber von „Zur Zukunft des Journalismus“, noch lange anhalten dürfte. „Die mediale Triade aus Print, Hörfunk und Fernsehen wird früher oder später online neu integriert, ist der Medienexperte überzeugt. (S. 55)“ Für viele lautet die Frage, wie sich der Qualitätsjournalismus angesichts eines ausfasernden Online-Angebots aus Blogs, Podcasts und IP-TV sinnvoll schützen lässt. Der Kommunikationswissenschaftler geht davon aus, dass sich besonders die klassischen Tagesmedien neu erfinden müssen und dies v. a. im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Restriktionen und der Aufgabenerfüllung im gesellschaftlichen Kontext, zwischen Abhängigkeit und Kritik, zwischen Pressefreiheit und Eignerfreiheit. Das Internet wird, so Rau, den Journalismus grundlegend verändern. Die onlinepublizistischen Möglichkeiten und die Formen demokratischer Inhaltsproduktion stehen deshalb auch im Vordergrund der Beiträge dieses Lese- und Hörbuchs (mit Audio-CD).

 

Was Qualitätsjournalismus in diesem Zusammenhang sein könnte, erfahren wir bei Helmut Brandstätter, der dazu den Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, zitiert. Demnach schaffe Qualitätsjournalismus  „die Bindungskräfte einer medial disparaten Gesellschaft“ (S. 158), aber dies natürlich nicht nur im Printmedium. Schirrmacher selbst beharrt noch darauf, dass qualitativ hochwertiger Journalismus auf Papier gedruckt werden muss. In der Praxis sieht es jedoch längst anders aus, wie beispielsweise Spiegel online, Geo wissen oder New York Times-online zeigen. Journalist des Jahres 2007 wurde Stefan Niggemeier, ein bloggender Journalist und journalistisch arbeitender Blogger (www.stefan-niggemeier.de/blog/), dem es laut Jury gelungen ist, „ein Zeichen für Qualitätsjournalismus im Internet zu setzen“ (S. 159). Eine Online-Befragung über die „Zukunft des Journalismus“ (vgl. Sattler/Bigl, In Zukunft werden Journalisten Alleskönner sein) an der Universität Leipzig hat ergeben, dass „die Aufgabe der Journalisten, Kritik und Kontrolle zu üben an Bedeutung verliert. Wichtiger wird es, eine Rundum-Orientierung sowie Lebenshilfe und Nutzwert zu geben“.

 

Der Publizist Lars Rosumek geht bereits davon aus, dass „Nachrichten heute zur klassischen „Wühltischware“ verkommen sind, die kostenlos aus den unendlichen Weiten des Netzes „zusammengegoogelt“ werden können. Und er stellt wohl zu Recht die Frage: „Wozu wird überhaupt noch ein professioneller Publizismus, der sich nach vordefinierten Kosten, Preis- und Gehaltsstrukturen orientiert – sprich, der für sein Tun in irgendeiner Form bezahlt wird – benötigt, wenn Information und Unterhaltung allzeit kostenlos, von und für jedermann zu haben sind?“ (S. 186)

 

Die Internetsuchmaschine Google hat (Ende 2007) eine Marktkapitalisierung von rund 115 Milliarden Euro erreicht, fast so viel wie IBM und deutlich mehr als Coca-Cola. „Der Softwareriese Microsoft ist an der Börse nur doppelt so viel wert wie Google.“ (S. 159 Brandstätter).

 

Brandstätter, Helmut: Hör.Mir.Zu. Drei Schritte ins Jahrtausend der Kommunikation. Salzburg: Ecowin-Verl., 2008. 189 S., € 22,- [D], [A], sFr 38,90

 

ISBN 978-3-902404-52-7