"Im Jahr 2000 wird Indien mit Hilfe von Düngemitteln, Chemikalien und Pestiziden in der Lage sein, ausreichend Nahrungsmittel für eine Milliarde Menschen zu produzieren. Doch selbst wenn die Verteilung gerechter als bisher erfolgt, werden 70% der Armen in den ländlichen Gebieten kein Holz haben, um Essen zu kochen." Die Umweltzerstörung in Ländern der Dritten Welt ist vielfältig mit den Wirtschaftssystemen der Überflussgesellschaft verknüpft. Der Massive Einsatz von importierten Agrochemikalien ist nur ein Beispiel dafür. Ob es nun die Verwendung tropischer Edelhölzer ist, der Genuss tropischer Plantagenfrüchte, Futtermittelimporte oder der viel geächtete Biss in den Hamburger die Tatsache des ökologischen Ausverkaufs und der sozialen Missstände in vielen Ländern schleicht sich zunehmend belastend in das Gewissen umweltbewusster Bürger/innen. Siebert geht im ersten Teil des Buches auf das Ausmaß der Verwüstungen ein, liefert genaue Daten zur Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten, der Ausdehnung der Wüsten bis zu ökologischen Auswirkungen militärischer Aktivitäten. Er möchte jedoch nicht nur mit erhobenem Zeigefinger warnen, sondern zeigt im zweiten Teil Wege der Überwindung, indem er von Projekten in einzelnen Regionen der dritten Welt berichtet, die sich gegen diese Entwicklungen stellen. So zum Beispiel erreichte eine von Frauen geleitete Organisation in Kenia die Begründung weiter von Erosion bedrohter Landesteile und erhielt Unterstützung der Regierung und der Vereinten Nationen. Der Verfasser setzt also eher auf die organisierte Selbsthilfe dieser Staaten und weist auch ernüchternd auf die Wirkungslosigkeit von gutgemeinten Maßnahmen des Konsumverzichts in den Importländern hin, wenn diese nicht von vernünftigen Verdienstmöglichkeiten und wirtschaftlichen Strukturänderungen in den Erzeugerländern begleitet werden. 

Siebert, Horst: Die vergeudete Umwelt. Steht die Dritte Welt vor dem ökologischen Bankrott? Frankfurt: Fischer, 1990. 198 S., DM 14,80 / sFr 13,10 / öS 115,40