Bei diesem Buch handelt es sich um eine Zusammenstellung von Aufsätzen des Autors aus den Jahren 1974 bis 1991. Er selbst bezeichnet diese als Biographie auf der Mitte des Lebensweges des Forschungsfeldes "Technisierung", die er als laufenden, offenen Prozeß versteht, "durch den Menschen und die von ihm geschaffenen Organisationen vorangetrieben und gestaltet, primär zum Nutzen von Menschen, aber auch zum Leiden von Menschen und Natur, in weIchem Ausmaß auch immer". Meinolf Dierkes, Direktor des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, gliedert das Buch in fünf Teilbereiche: Technology Assessment ("mit dessen Hilfe eine möglichst integrierte und systematische Abschätzung und Voraussage der wesentlichen ... Auswirkungen in den zentralen Bereichen der Gesellschaft ... , die bei der Einführung oder Veränderung einer Technologie auftreten, möglich werden soll"). Ansätze zur Behebung von Akzeptanzkrisen, Risikoperzeption und Risikoakzeptanz, gesellschaftliches Risikomanagement und schließlich Technikgenese. Aufgeworfen und erörtert (ohne aber dafür immer eindeutige Lösungen zu finden) werden zum Beispiel folgende Probleme beziehungsweise Fragen: Entsteht Technik durch soziale Einflüsse oder besitzt sie eine Eigendynamik, durch die sie sich der Steuerung durch den Menschen entzieht? Gibt es Möglichkeiten, die zunehmende Praxis der Entscheidungsabwälzung bei Umweltverträglichkeitsprüfungen von der Legislative auf die Jurisdiktion zu unterbinden? Inwieweit hat die Wissenschaft eine" Bringschuld" bei der öffentlichen Diskussion um Technikfolgen? Wie kann man Risikoforschung effektiver gestalten? Dies sind nur einige wenige, willkürlich herausgegriffene Fragestellungen aus dem komplexen Bereich des Forschungsfeldes. Um Änderungen herbeizuführen, propagiert Dierkes unter anderem die Einführung des "Science Court", eines Gerichtshofes, in dem statt Juristen rechtlich geschulte Wissenschaftler tätig sind, oder etwa die verstärkte Durchführung von Technology Assessment. Ohne Zweifel ist es dem Autor hoch anzurechnen, wenn er eine prinzipielle Gliederung und Zusammenfassung der Argumente in einem so jungen Wissenschaftsbereich vornimmt. Doch ist zu befürchten, daß durch das hohe wissenschaftliche Niveau der Ausführungen zweifellos gute gesellschaftspolitische Verbesserungsvorschläge nicht an die richtige Adresse gelangen bzw. auf taube Ohren stoßen. Ch. H.

Dierkes, Meinolf: Die Technisierung und ihre Folgen. Zur Biographie eines Forschungsfeldes. Berlin: Ed. Sigma, 1993. 318 S., DM 36,- / sFr 30,- / öS 280,80