Im Westen werden seit längerem Perspektiven des ganzheitlichen, vernetzten Denkens zur Lösung der globalen Probleme angeboten. Konzepte dazu stammen unter anderem vom Club of Rome oder der UN-Friedensuniversität. Die Erweiterung unserer Denkweise in Richtung eines qualitativen menschlichen Fortschritts wird angestrebt. In diesem Zusammenhang erinnert man sich der Intentionen Gandhis, dessen Ideen vom innovativen Lernen in der "Pädagogik des Atomzeitalters" angesichts der Ökokrise wieder berücksichtigt wurden. Die von ihm entworfene Bildungsreform wurde allerdings in keinem Staat der Erde verwirklicht. Mahatma Gandhi hat das Lernen in Gemeinschaft zur Maxime genommen. Erprobt wurden seine Zielvorstellungen in kleinen Modellgemeinschaften den Ashrams als Stätten der Begegnung, der gemeinsamen Arbeit, der Übung und der Meditation. Ein in der Tradition Gandhis stehendes konkretes Bildungsreformprogramm wird in der vorliegenden Dissertation beschrieben. Der Autor setzt sich mit der in Indien im nationalen Ausmaß angestrebten Reform nicht nur theoretisch auseinander, sondern bereichert seine Aussagen um Recherchen vor Ort und Gespräche u. a. mit dem Rektor der ersten Sathya Sai Universität. Interviews mit Schülern des Mahatma sowie mit Studenten liefern einen authentischen Hintergrund der Ausführungen. Friede, Gewaltlosigkeit, Wahrheit und Toleranz sind jene Werte, um die sich Sri Sathya Sai Baba unermüdlich bemühte. Durch sein "Institute of Higher Learning" sollten sie konkrete Wirklichkeit werden. Im ständigen Wechsel zwischen Traditionen des Ostens und Westens bemüht sich Buchner um die Versöhnung beider Geisteshaltungen. "Eine integrale Sehweise, die uns Einheiten und Zusammenhänge wieder stärker wahrnehmen läßt und die so ein Handeln im Einklang mit dem Ganzen und die Wiederherstellung der Gleichgewichte fördert, scheint damit eine notwendig gewordene Ergänzung zum tradierten westlichen Denken zu sein, das die entscheidende historische Rolle für den materiell-technologischen Fortschritt gespielt hat." Der sich abzeichnende Paradigmenwechsel als notwendiges Postulat zeitgeschichtlicher Kritik der technologischen Zivilisation bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Es werden gleichwohl die Geschichte der indischen Reformbewegung und die geistes- und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge auch im Sinne der Dritte-Welt-Problematik beschrieben. Auf Änderungen im Bildungsbereich deuten auch die Ideen an bundesdeutschen Universitäten hin. Überlegungen zur Interdisziplinarität, neuen Forschungsgegenständen und selbstbestimmtem Forschen und Lernen sollen zu Neugründungen bzw. zu einer Umgestaltung eines Universitätsinstitutes führen. Vgl. dazu Neue Institute braucht das Land. In: Wechselwirkung. 1989, Nr. 40, S. 25-27.

Buchner, Werner: Die Sathya Sai Wissenschaftsreform im Blickpunkt globaler und indischer Zeitgeschichte. Wien: VWGÖ, 1988.288 S. (Dissertationen der Universität Wien; 187)