Alles deutet für den Autor darauf hin, daß wir das Ende einer Epoche des Menschen als "Herrscher der Erde" erreicht haben. Die Übergangsphase in ein neues Zeitalter ist gekennzeichnet durch Chaos, Zerfall und Zerstörung. Nur wenn es uns gelingt, das Entsetzen über den Zusammenbruch aller Werte zu überwinden, können im Chaos gefundene Elemente zu Bausteinen eines Neubeginns werden. Harald R. Bilger beschreibt sowohl die Problematik als auch die Aufgaben am Übergang in ein neues gleichermaßen humanes wie wissenschaftlich bestimmtes Zeitalter. Bei der Analyse der gegenwärtigen Weltprobleme gelten ihm die Bevölkerungsexplosion, die Weiterentwicklung von Zerstörungspotentialen und der Verlust des Lebenssinns als wichtigste Faktoren. Um der nicht mehr verantwortbaren Bevölkerungsexplosion Einhalt zu gebieten, schlägt er den Aufbau eines Versicherungswesens zur Altersversorgung vor. Kritisch äußert sich Bilger gegenüber der repräsentativen Demokratie, weil sie "jede persönliche Verantwortung der durch scheindemokratische Gesellschaftsstrukturen vermassten einzelnen Menschen ausschaltet und gleichzeitig die Verantwortung der sogenannten ,Repräsentanten' einer solchen Art von .Demokratie: auf anonyme Gremien abschiebt". Er plädiert für soziale Strukturen, die dem einzelnen Menschen die Möglichkeit zurückgeben, die persönliche Verantwortung wahrzunehmen. Mehrfach weist der Autor darauf hin, daß wir die Zielsetzungen für unser gegenwärtiges Handeln nicht in Zukunftsspekulationen, sondern in Gegenwartsanalysen zu suchen haben, da es darauf ankäme, unsere Verhältnisse zu konsolidieren. Die Grundlagen für unsere Zukunft sieht er im Subsidiaritätsprinzip, wobei der Föderalismus durchaus als Vorläufer des Subsidiarismus dienen könnte. Gegenseitige menschliche Zuwendung sollte entscheidendes Verhaltensmotiv sein. Freisetzung und Entfaltung der jeweils einzigartigen menschlichen Kreativität und die Förderung der Menschlichkeit sind für Bilger stichhaltige Argumente für eine Bewältigung der Zukunftsgefahren. Das von ihm beschworene Ende des Zeitalters menschlicher Aggressivität hingegen ist wohl mehr Wunschdenken als Ausdruck der realen Situation. A.A.

Bilger, Harald R.: Die Menschheit im Umbruch. Zur Notwendigkeit neuer Lebensgestaltungen. Stuttgart Hirzel (u.a.), 1993. 144 S. (Edition Universitas) DM 29,/ sFr. 24,60/ öS 226,20