Die neue Bestandsaufnahme der "Weltproblematik" des Club of Rome stieß gleich nach Veröffentlichung auf enormes Medienecho. Denn die durch eine Fülle alarmierender Tagesinformationen erschreckten und verwirrten Zeitgenossen wollen mehr Übersicht und Zusammenhänge erfahren. Der Bericht zeigt auf, spricht aus, was wir längst wissen, aber anscheinend immer wieder hören müssen. Als eine der größten Herausforderungen gilt die Bevölkerungsexplosion. Nach Schätzung der UNO wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2000 auf 6,2 Mrd., bis 2025 sogar auf über 8,5 Mrd. Menschen gestiegen sein. "Die Weltbevölkerung wächst gegenwärtig alle vier bis fünf Tage um eine Million". Ganz besonders wird die Schädigung der Umwelt mit zum Teil irreversiblen Folgen in den Blick genommen. Die Autoren hinterfragen die Zukunft einer Weltwirtschaft, "die ihre Dynamik aus der stimulierten Verbrauchernachfrage bezieht". Es wird bemerkenswerterweise nicht eingestimmt in den Jubel über den "Sieg der Marktwirtschaft", denn unkontrollierte Marktmechanismen können, wie nachgewiesen wird, langfristig unsere Zukunft nicht sichern. Eindrucksvoll werden die Defizite der repräsentativen Demokratie aufgezeigt. Unsere Volksvertreter sind außerstande, zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen, denn die Aktivitäten politischer Parteien sind kurzfristig auf Wahltermine ausgerichtet. Im zweiten Teil wird eine Weltlösungsstrategie entwickelt. Vorgestellt werden Aktionen für 3 Bereiche, die sofort in Angriff genommen werden müssten: Umwandlung der Rüstungswirtschaft, Eindämmung der globalen Erwärmung und Lösung des Energieproblems sowie eine neue Entwicklungspolitik. Trotz der damit verbundenen Gefahren halten sich die Autoren überraschenderweise die Optionen Atomenergie und schneller Brüter offen. Gleichzeitig wird aber eine massive und weltweite Kampagne zur Energieeinsparung und zum effektiven Einsatz von Energie gefordert. Ein Energie-Rat unter Schirmherrschaft der UNO sollte auf nationaler Ebene entsprechende Maßnahmen koordinieren und überwachen. In Bezug auf das Nord-Süd-Gefälle und die Weltarmut wird die Schaffung nationaler Entwicklungskapazitäten und Wirtschaftshilfen durch vermehrte Kooperation vorgeschlagen. Wesentlicher Teil der Weltlösungsstrategie ist die Verbesserung der "Gouvernanz" abseits von periodischem Krisenmanagement - dem "Taumeln von einem Notfall in den anderen". Dazu werden von Politikern neue Qualitäten verlangt, die nicht erst künftigen Generationen vorbehalten sein sollten. Die gebotenen Visionen einer anderen Zukunft, mögen sie in den meisten Fällen auch utopisch sein, sind dringend notwendig und werden hoffentlich die Diskussion beleben, wie dies nach dem ersten Bericht an den Club of Rome (1972) der Fall war.

King, Alexander; Schneider, Bertrand: Die globale Revolution. Bericht des Rates des Club of Rome 1991. Hamburg: Spiegel-Verl., 1991. 130 S. (Spiegel Spezial; 211991) DM 6,-1 sFr 6,-löS 50