Rebellisch wacher Geist gegen den Mainstream politisch-ökonomischer Machtanhäufung scheint in Großbritannien gute Tradition zu haben. War es E. F. Schuhmacher, der mit der These "Small is beautiful" nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung alternativer Wirtschaftsmodelle nahm, so ist es das Anliegen von John Papworth, vor allem die demokratiepolitischen Defizite zentralistischer Regierungsformen bloßzulegen und für die Stärkung kleiner, von persönlicher Begegnung und lokaler Verantwortung geprägten Einheiten zu werben. Wurde - so eines der Argumente "in der Gemeinschaft Handel getrieben, um der Gemeinschaft zu dienen, so sei er in der Massenform der Gesellschaft dazu da, nur sich selbst zu dienen und denen, die ihn kontrollieren." Den Wechsel von allgemein geteilten Wertvorstellungen wie Selbstverwirklichung und Produktqualität hin zu Profit und Einzelinteresse ortet Papworth in der Akzeptanz des Wuchers durch die Kirche (16. Jh.) und in der Niederlage der Maschinenstürmer (1812). In der Folge seien zwischenmenschliche Beziehungen atomisiert und mehr und mehr durch institutionalisierte Verhältnisse ersetzt worden. Mit gerechtem, weil verständlichem Zorn, der sich zuweilen auch zu "heiligem Eifer" aufschwingt, zeichnet der Autor - nicht-praktizierender Priester, lange Zeit Berater von GREENPEACE und streitbarer Publizist, der u. a. Robert Jungk und Petra Kelly zu seinen Freunden zählte - das Bild einer von konsumatorischen Verlockungen - allen voran das Automobil - geblendeten Menschenmasse, deren Geschick von einer dunklen, zentralen (Regierungs)Macht gesteuert werde. "Unnachgiebige Intoleranz" und Ruhelosigkeit erst könne "einen Kampf auf Leben und Tod" entscheiden und der "örtlichen Nachbarschaft" die Möglichkeit der Selbstbestimmung ihrer je eigenen Anliegen geben. Da Demokratie und Massengesellschaft unvereinbar seien schon die Unzahl der zur Entscheidung anstehenden Beschlüsse könne von den Anliegen der Bürger entfremdeten Mandataren verantwortungsvoll gar nicht wahrgenommen werden =, sei es an der Zeit, so Papworth, alle vor Ort entscheidbaren Aufgaben in Eigenverantwortung wahrzunehmen: die Nahversorgung mit hochwertigen Lebensmitteln und Produkten, medizinische Versorgung und Schulwesen gehörten hier ebenso dazu wie Wahrnehmung ästhetisch-kultureller Anliegen. Die Möglichkeit zu derart umfassender Veränderung sieht Papworth - und wir mit ihm - "in der fundamentalen Energie des Lebens, die eine der Bejahung und Erneuerung, nicht aber der Ergebenheit und der Resignation" sei. Es gehört allerdings viel Optimismus dazu anzunehmen, daß sich die "neue Generation dieser Herausforderung ohne Zweifel stellen wird". W Sp.

Papworth, John: Small is Powerful. Der Weg zu wahrer Demokratie. Holm: Deukalion-Verl., 1995. 269 S.