Das Reisen gibt es seit der Antike, ein Massenphänomen ist es aber erst in unseren Tagen, da der Tourismus neue, bisher unbekannte Dimensionen erreicht. Ausgehend von der Geschichte des Reisens werden anhand zahlreicher Beispiele aus den Alpen, der Mittelmeerregion, des Himalaya und Südafrikas die negativen Auswüchse von Sex-, Polit- und anderer Tourismen beleuchtet. Neben der Umwelt sind es die Einheimischen, die ob dieser Entwicklung auf der Strecke bleiben. Der Tourismus ist mit 2000 Mia. Dollar das größte Industrieunternehmen der Erde und Arbeitgeber für 100 Mio. Menschen. Die Steigerungsraten weisen weiterhin steil nach oben. Als Beweggründe für die quantitative Entwicklung gelten neben dem Drang nach dem Unbekannten, Abenteuerlust und Neugierde die Notwendigkeit zur Regeneration, sprich Wiederherstellung der Arbeitskraft. Inzwischen gibt es aber auch Beispiele (Bhutan, Senegal, Saarland) neuer Formen des Tourismus. Kennzeichnend ist Größere Rücksicht auf Natur, Kultur und Lebensweise der Menschen. Sanfter Tourismus ist für Ludmilla Tüting "ein eigenständiger Teil der Ökologie-Bewegung". Wie einzelne positive Initiativen zeigen, sind kleine kommunale Projekte am erfolgreichsten. Zuweilen wird von der Humanisierung der Arbeitswelt eine Humanisierung des Tourismus erwartet. Um die Auswirkungen der Touristikbranche in Grenzen zu halten, plädiert Andre Heller für "die Schaffung eines reinen Tourismuslandes, das all das beinhaltet, was die Tourismus-Industrie als Köder verwendet". Neben diesen zum Teil ironisch gemeinten Vorschlägen gibt es durchaus ernstzunehmende Ansätze, wie dieser Reader eindrucksvoll dokumentiert. 

Der neue Tourismus. Rücksicht auf Land und Leute. Hrsg. v. Klemens Ludwig ... Mit einem Nachwort von  Andre Heller. München: Beck, 1990. 171 S. (Beck'sche Reihe; 408), DM 19,80 / sFr 17,50 / öS 154,40