Wer auf sich hält, denkt und handelt heute "ökologisch" - und dennoch steht außer Zweifel, dass der inflationäre Gebrauch des Wortes ebenso wenig zur Verbesserung unserer Lebensverhältnisse beiträgt wie Planungsverfahren, die vorwiegend ökonomische Interessen als "Sachzwänge" ausweisen. Die wesentlichen Faktoren des Lebensraums Erde werden hingegen sträflich vernachlässigt. Dem Autor geht es darum, "durch ein seriöses Bemühen um die Füllung des Öko-Begriffs zu Bewusstseinsbildung und Problemlösungen beizutragen." Die in Wissenschaft, Publizistik und Politik diffus und widersprüchlich verwendeten Termini "Ökologie", "Ökosystem" und "Landschaft" werden eingehend diskutiert und in Zusammenhang mit der stets auch vom Menschen mit geprägten "Natur" differenziert. Dabei kommt Leser auf Spiegelfechtereien im naturwissenschaftlichen Bereich ebenso zu sprechen wie auf Defizite der Politik und Planungspraxis. Als unabdingbar stellt er die bio- und geowissenschaftliche Fundierung der Ökologie heraus und fordert unter Berücksichtigung "generalistischer Ansätze" insbesonders auch die Intensivierung des Physik- und Chemieunterrichts an Schule und Universität.   13 Überzeugend weist Leser schließlich die Mängel der vorherrschenden Raumplanung nach: kurzfristig und seperativ ist sie Wegbereiterin einer unwirtlichen und lebensfeindlichen „Zufallslandschaft" , die durch ökologische Scheinmaßnahmen wie Froschzäune, künstliche Weiher oder singulären "Objektschutz" ebenso wenig zu korrigieren ist wie durch „Risikoanalvsen". Mit dem Instrumentarium der „Landschaftsökoloqie“, die Leser ausführlich darstellt, sollte es zumindest gelingen, Planungsmaßnahmen so zu gestalten, dass sie auch dem Ökosystem zugutekommen. Die Einbindung der Dritten Welt in diese Überlebensstrategie ist ebenso positiv hervorzuheben wie die mutige, wenngleich utopische Forderung, dass zur Erhaltung des Ökosystems Erde "jede weitere Überbauung einzustellen wäre". Ökologie Raumplanung

Leser, Hartmut: Ökologie wozu? Der graue Regenbogen oder Ökologie ohne Natur. Berlin (u.a.): Springer-Verl., 1991. 362 5., DM 29,80 / sFr 25,30 / öS 232,40