Der vorliegende Band dokumentiert die Ergebnisse des bislang größten internationalen Forschungsvorhabens zum Dritten Sektor, dem „John Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project“, in dem dieser zwischen Markt und Staat angesiedelte Wirtschaftsbereich in insgesamt 22 Ländern aus mehreren Kontinenten untersucht wurde. Einige Ergebnisse daraus: Der Dritte Sektor, der gemeinwirtschaftliche, nicht auf Gewinn ausgerichtete Unternehmen und soziale Dienstleister ebenso umfasst wie Vereine, Kultur- und Sportverbände, ist weltweit zu einer bedeutenden Wirtschaftskraft geworden. Sein Umsatz beträgt allein in den 22 untersuchten Projektländern 1,1 Bill. US-Dollar (1995), was der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt entspräche. 19 Millionen Beschäftigte werden ergänzt durch viele ehrenamtlich Tätige, die einem Vollzeitäquivalent von weiteren 10 Mill. Beschäftigen entsprächen. Der Dritte Sektor ist in den westlichen Industrieländern bedeutend stärker ausgeprägt als in den ebenfalls untersuchten Ländern Mittel- und Osteuropas sowie Lateinamerikas und deckt dort vor allem soziale Dienstleistungen ab (dies entspricht dem höheren Wohlfahrtsniveau; in Mittel- und Osteuropa sind es vor allem die Bereiche Freizeit und Kultur, in Lateinamerika Bildungsangebote, die von nichtsstaatlichen Einrichtungen wahrgenommen werden.

Der westeuropäischen Sozialstaatstradition entspricht auch, dass hier der Dritte Sektor in allen Ländern zu mehr als der Hälfte aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, während in den USA, in Japan, Australien oder auch den lateinamerikanischen und osteuropäischen Ländern Gebühren überwiegen. Der Spendenanteil macht in den untersuchten Staaten mit 13 Prozent einen insgesamt geringen Anteil aus. Er ist interessanter Weise nicht in den USA, sondern in den mittel- und osteuropäischen Ländern am höchsten (geringe Staatsmittel, internationale Stiftungen u. a.).

Neben den allgemeinen Ergebnissen des Forschungsprojekts enthält der Band Länderberichte zu Schweden (dem einzigen europäischen Land, in dem der Dritte Sektor eine relativ geringe Staatsnähe aufweist, was sich aber - so der Bericht - durch die zunehmende Auslagerung von staatlichen Sozialaufgaben zukünftig auch ändern könnte), Italien (hier spielen neben Sozialeinrichtungen auch Genossenschaften eine wichtige Rolle), Großbritannien (wo der Nonprofit-Bereich durch den Kommunitarismus und New Labour derzeit eine enorme Aufwertung erfährt), weiters zu den Niederlanden (dem Land mit dem größten Beschäftigtenanteil des Dritten Sektors - es sind über 12 Prozent - sowie vielen sozialen Innovationen, etwa „Zentren für Arbeit und Einkommen“, in denen Kommunen, Unternehmen und Arbeitsmarktverwaltungen zusammenarbeiten) und Frankreich (wo in den 80er Jahren eingeleitete Dezentralisierungsmaßnahmen sowie innovative Arbeitsmarktpolitiken ein Anwachsen des Dritten Sektors bewirken).

Den Entwicklungen des Nonprofit-Bereichs in Deutschland ist der abschließende Abschnitt des Forschungsberichts gewidmet. Behandelt werden u.a. die Trends zu weiterer Professionalisierung in Richtung „soziale Dienstleistungsunternehmen“, die Rolle des zweiten Arbeitsmarkts (am Beispiel Sport), ein möglicher Bedeutungsgewinn von Genossenschaften sowie rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen.

Die Herausgeber des Bandes, Eckhard Priller und Annette Zimmer, prognostizieren, dass gerade in der „postindustriellen Wettbewerbs- und Risikogesellschaft, in der die klassischen Identifikationsstifter - Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Familien - zunehmend an Bindungskraft verlieren“, dem Dritten Sektor insofern ein zentraler Stellenwert zukomme, „als er sozialen Zusammenhalt und gemeinschaftliche Identifikation“ garantiert, gerade weil seine Organisationen über eine „hohe institutionelle Flexibilität“ verfügen (S. 25). H. H.

Der Dritte Sektor international. Mehr Markt - weniger Staat? Hrsg. v. Eckhard Priller (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) ... Berlin: Ed. Sigma, 2001. 320 S., DM / sFr 36,- / öS 281,-