Die Delphi-Befragung ist eine gängige Methode der Zukunftsforschung, bei der im vorliegenden Fall Fragebögen an 3534 Experten verschiedenster Disziplinen mit 1147 Fragen aus 16 Technikfeldern verschickt wurden. Aus den Antworten wurden mittlere Werte und Einschätzungen über die Zukunft Deutschlands errechnet. Die Ergebnisse der Studie, die von Hariolf Grupp am Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung durchgeführt wurde, sind hier zusammengefaßt.

Der besondere Blick auf fundierte Visionen für die Entwicklung der nächsten 30 Jahre galt dabei Themen, die als besonders wichtig eingestuft wurden. So zum Beispiel eine Methode zur Krebsfrüherkennung, die für den Zeitraum 2000 bis 2009 erwartet wird. "Eine Aids-Therapie soll schon etwas früher möglich sein, irgendwann zwischen 1998 und 2008." Ganz aktuell werden bis etwa 2005 Vorhersagetechniken entwickelt sein, die es ermöglichen, Erdbeben der Stärke von mehr als 7 auf der Richterskala einige Tage vorher anzukündigen.

In seinem Beitrag über die Studie stellt Gert Kaiser, Rektor der Uni Düsseldorf, fest, daß Schlüsseltechnologien oft an den Bedürfnissen der Menschheit vorbeigehen und meint, daß die künftige Entwicklung die natürlichen Ressourcen weitestgehend schonen müsse, was einer Effizienzrevolution v. a. bei der Verwertung natürlicher Ressourcen gleichkommt.

Laut Kaiser könnten wir eine "zweite DeIphi Studie gut gebrauchen, die voraussagt, wo der Bedarf, wo die Bedürfnisse der Menschen in der überschaubaren Zukunft liegen, wo sich Problemfelder verdichten, die technologischen Lösungen vielleicht zugänglich sind"; er gibt zu bedenken, daß es für "die Einsichten in gesellschaftliche Zukunftsfragen noch keine homogene Expertenkultur" gibt. Der Philosoph Klaus Mainer spricht in seiner Replik von unserer Zukunftsgier, von der unstillbaren "Neugierde auf die Zukunft", Er sieht in dieser Studie nichts anderes als die Hoffnung (wie schon seit fast 5000 Jahren), die Zukunft beherrschen zu können. Stattdessen sollten wir lieber Rahmenbedingungen schaffen, in denen gesellschaftlich wünschenswerte Zielzustände" möglich werden.

AA