Shridath Ramphal gehörte in den achtziger Jahren allen Unabhängigen Internationalen Kommissionen zu ökologischen und entwicklungspolitischen Fragen an. Sein Buch ist eine Bestandsaufnahme der Forderungen der Entwicklungsländer an die UN-Konferenz von Rio. Demnach versucht er auch an unzähligen Beispielen die Zusammenhänge von Umweltkrise und Unterentwicklung aufzuzeigen. Erweist einmal mehr nach, dass sich unterentwickelte Länder Umweltschutz nicht leisten können, wenn sie ihre Ressourcen ausbeuten müssen, um gegenüber den Industriestaaten zu überleben. Ramphal spannt einen weiten Bogen von. weltweit ungleichem Ressourcenverbrauch über Militarismus, politische Korruption und die Nachwirkungen des Kolonialismus bis zur Problematik der ungerechten Weltwirtschaftsordnung, die, etwa über das GATI, die Industrieländer reicher, die unterentwickelten Staaten ärmer macht. Er zeigt das Fehlverhalten von Weltbank und IWF ebenso auf wie das Problem der allgemeinen Orientierung von Ökonomie und Politik an kurzfristigen Zielen. Sein Zukunftsmodell ist ein Konzept des" bedachten Wandels", in dem er sich v.a. auf Pläne einer neuen Weltordnung beruft, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Dieses Konzept ist weItgesellschaftlich orientiert und setzt auf eine Aufwertung der UNO und Prinzipien wie "kollektive Sicherheit" und "gemeinsame Verantwortung". Das Buch bietet analytisch nichts Neues, weder in der Darstellung der Zusammenhänge zwischen Umweltkrise und Unterentwicklung, noch in den Vorschlägen zur Überwindung dieses Dilemmas. Was es lesenswert macht, ist die ungeheure Fülle empirischen Materials das darin verarbeitet ist (und das Buch fast zu einem Nachschlagewerk macht), und Ramphals literarische Ausflüge in Geschichte, Kunst, Religion und Mythologie. Darüber hinaus werden im Anhang die Abschlussdokumente der Konferenz von Rio ganz bzw. auszugsweise wiedergegeben. J. P.

Ramphal, Shridath: Das Umwelt-Protokoll. Partnerschaft zum Überleben. Vorwort v. Willy Brandt. Frankfurt/M. (u.a.): Ullstein, 1992. 459 S., DM 29,80 / sFr 25,30 / öS 232,40 .