Die Globalisierung als „Befreiungsbewegung für die Dritte Welt“, der Kapitalismus als „Wohlstandmaschine für die Armen“ und die Technik als ungebrochener Motor des Fortschritts („Ingeneure verbessern die Welt, nicht Ideologen“) – damit umreißen die Autoren, die spätestens seit ihrem Buch „Lexikon der Öko-Irrtümer“ (s. PZ 4/1998*452) als Gutredner dessen bekannt sind, was ist – ihr „Programm“ vom Mephisto-Prinzip.

Was aus der Tradition des Wirtschaftsliberalismus hinlänglich bekannt ist (Wer auf den eigenen Vorteil bedacht ist, nützt damit auch anderen), wird hier – recht gut ins neoliberale Credo passend – journalistisch pointiert zugespitzt. Und in manchem ist den beiden ja durchaus zuzustimmen: Etwa wenn sie gegen den Chauvinismus und Protektionismus der reichen Länder wettern („Solidarität mit der Dritten Welt heißt heute, ihre wachsende ökonomische Kraft endlich ertragen zu lernen.“ S. 46) und dabei europäische Unternehmer und Gewerkschaften als „Teil eines feudalen Systems“ (S. 51) bezeichnen, da beide danach trachten, „den Ausgleich zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden zu verhindern“ (ebd.). Doch die Durchkapitalisierung der Welt allein schafft noch keinen sozialen Ausgleich. Es sind vielmehr die sich im Zuge der Industrialisierung auch der Länder des Südens bildenden Gewerkschaften, die für diesen – bislang mit großen Behinderungen – kämpfen.

Zuzustimmen ist Macheiner und Miersch auch, dass unser Wohlstand nicht das Recht einer kleinen Minderheit der Weltbevölkerung bleiben darf (uns sie daher Bücher wie die „Globalisierungsfalle“ von Martin/Schumann kritisieren). Es ist aber keineswegs ausgemacht, ob unser auf Konkurrenz, Leistung und Individualismus ausgelegtes Wohlstandsmodell das allein glücklich machende, ist oder ob hier das Lernen unterschiedlicher Kulturen voneinander nicht das bessere Globalisierungskonzept wäre.

Die Autoren gehen auch davon aus, dass der globale Wohlstandszuwachs durch eine offene Weltwirtschaft der beste Garant für besseren Umweltschutz sein wird. Sie haben damit Recht, wenn es um die Verbesserung der Umwelthygiene (Kanalisationssysteme, Kläranlagen) geht. Auch gegen den Export der umweltfreundlichsten Technologien ist nichts einzuwenden. Doch die Material- und Energieintensität unseres Wirtschaftens ist wohl nicht globalisierungsfähig. Und es sind nicht die Rohstoffe und Böden ausbeutenden Konzerne, die auf die Einhaltung von Umweltvorschriften pochen, sondern die von den Autoren so geschmähten Umweltgruppen. Und wenn die beiden – wohl als Provokation gedacht – vorschlagen, den Alternativen Nobelpreis an „BigMac“ zu verleihen, da dieser „ganz im Geiste von Petra Kelly, Vandana Shiva, José Lutzenberger und Robert Jungk“ sich um „Wohlstand und die Ernährung der Massen, die Integration von Ausländern und Minderheiten und den Weltfrieden“ (S. 67) verdient gemacht hätte, dann zeugt dies nicht nur von mangelnder Kenntnis des Welternährungs- und -wirtschaftssystems, sondern wohl auch von monotonem Geschmack. Dennoch: Es lohnt sich, diese Provokation zu lesen, denn die Frage nach dem Wie der Globalisierung wird eine der entscheidenden im neuen Jahrhundert sein. H. H.

Maxeiner, Dirk; Miersch, Michael: Das Mephisto-Prinzip. Warum es besser ist, nicht gut zu sein. Frankfurt/M.: Eichborn, 2001. 184 S., DM 34,- / sFr 31,50 / öS 258,-