Steinig, aber vielleicht gar nicht mehr so weit ist der Weg zur europäischen Einheitswährung Die öffentliche Diskussion um die Erfüllung der im Vertrag von Maastricht vorgesehenen Verschuldungskriterien und die damit verbundenen Sparpakete zeigt dies deutlich. Die Fragen, ob sich diese Anstrengung auch lohnt, welche Risiken mit der Schaffung des Euro verknüpft sind und ob die gleichen Ziele nicht auch mit geringerem Aufwand erreicht werden könnten, drohen in dieser Diskussion erstaunlicherweise unterzugehen. Hans-Joachim Stadermann, Geldtheoretiker und Fachhochschulprofessor in Berlin, geht diesen Fragen nach und kommentiert die in einem "Grünbuch " zusammengefaßten Vorstellungen der EU-Kommission zur Einführung des Euro. Sinnvoll sei die Einführung des Euro nur, wenn er in vielen Ländern als Zahlungsmittel übernommen wird und ähnlich wertbeständig ist, wie die derzeit stabilsten Währungen ("D-Mark-Block"), nämlich Mark, Gulden und Schilling. Beide Ziele gleichzeitig zu erreichen, gleicht aber der sprichwörtlichen Quadratur des Kreises: Einerseits lohnt sich die ganze Anstrengung einer Währungsumstellung nicht für eine Mini-Währungsunion, die sich im Wesentlichen auf den DM-Block beschränkt. Es ist daher damit zu rechnen, daß die vielzitierten Kriterien für die Aufnahme in die Währungsunion recht großzügig ausgelegt werden, um von Beginn an eine relativ große Teilnehmerzahl sicherzustellen. Je mehr Länder mit bislang wenig stabilen Währungen aber andererseits in die Währungsunion aufgenommen werden, desto inflationsanfälliger wird die Gemeinschaftswährung und desto höher werden die Zinsen sein, die für Vermögensanlagen in Euro zu zahlen sind. Schuldner in den Ländern des DM-Blocks (öffentliche Haushalte und Unternehmen) werden für die dann in Euro-Währung aufgenommenen Schulden höhere Zinsen als bisher zahlen müssen. In Ländern mit weicher Währung und traditionell hohem Budgetdefizit wie Italien werden dagegen die Zinsen sinken, weil Schulden dann eben nicht mehr in der weichen Landeswährung, sondern in der etwas stabileren Euro-Währung und somit zu niedrigeren Zinsen aufgenommen werden können. Die Möglichkeit niedrigerer Zinsen ist einer stabilitätsorientierten Finanzpolitik in diesen Ländern nicht gerade förderlich, Darüber hinaus könnten die Ergebnisse einer "undisziplinierten Finanzpolitik" einzelner Mitgliedsländer in einer Währungsunion nicht mehr wie derzeit durch Auf- und Abwertungen ab-   gefedert werden. Sie werden sich vielmehr in der Umlenkung von Kapitalströmen, in Beschäftigungsschwankungen sowie in verstärkter Arbeitskräftewanderung niederschlagen. Stadermann erörtert eine Vielzahl von interessanten Aspekten der Währungsumstellung und bezieht einen gegenüber der Währungsunion sehr kritischen Standpunkt. Verschachtelte Sätze, ein ausgeprägter Ökonomenjargon und ein nachlässiges Lektorat erschweren allerdings die Lektüre beträchtlich. W. Sch.

Stadermann, Hans-Joachim:  Wie der EURO kommt. Das Green Paper der Europäischen Kommission und die Folgen. Marburg: Metropolis-Verl., 1996. 184 S.