Hält der Euro das, was uns EU-Politiker und Wirtschaftsmanager versprechen?  Gehören mit ihm Währungs- und Preisturbulenzen der Vergangenheit an? Die gemeinsame Wirtschaftskraft der EU liegt nun vor jener der USA und Japans. Provoziert also der Hegemonieanspruch Europa eine Finanzkrieg zwischen Euro und Dollar? Jedenfalls werden sich die Währungsspekulationen nur verlagern, nicht aber abnehmen. „Für die Währungsunion folgt daraus, daß möglicherweise nur die großen transnationalen Unternehmen tatsächlich von ihr profitieren, solange sich der einseitige Prozeß der Transnationalisierung, auf dem sie beruht, fortsetzt. Die Mehrheit der wirtschaftlich tätigen Menschen ginge leer aus oder erlitte weitere Nachteile. Das sind sicherlich keine günstigen Voraussetzungen, um die Währungsunion und den Euro langfristig in der EU sehr beliebt zu machen” (S. 53f.).

Dominierend bei manchen Euro-Gegnern ist die Konzentration auf die Probleme eines nationalstaatlichen Souveränitätsverzichtes sowie auf unannehmbare Konzessionen an andere Staaten, weil diese nicht in der Lage seien, die Bedingen für die Preis- und Währungsstabilität zu erfüllen. Schubert, Ökonom und Politologe an der Freien Universität Berlin, ist zwar überzeugt, daß die EU-Bürger ihrem nationalen Geld sicherlich nicht nachtrauern. „Sie werden statt dessen damit beschäftigt sein, sich mit den Konflikten und Widersprüchen des neuen Geldes auseinanderzusetzen. Und diese versprechen enorm zu sein.” (S. 161) Einer sozial zunehmend zerklüfteten und politisch weiterhin in viele Nationalstaaten aufgeteilten Region „steht ein riesiger Apparat von privat organisierten transnationalen Unternehmen gegenüber, der durch die Währungsunion zusätzliche Kräfte gewinnen wird. In diesem Apparat ist nur ein relativ geringer Anteil der Bevölkerung integriert; er bietet nur einer Minderheit Wohlstand und Sicherheit... Die Bedingungen der Mächtigen werden vereinheitlicht, die der Schwächeren zusätzlich differenziert werden.” Um auf diese transnationalen Machtgebilde Einfluß und Kontrolle auszuüben, dürften „die Nationalstaaten demokratisch nicht ausgehöhlt und... bei der Sicherung geeigneter Lebensgrundlagen ihrer Bürger vollends gelähmt werden” (S. 161ff.).

Obwohl Schubert einige Chancen für den Aufbau sozialer, transnationaler Regelungsmechnismen und einer handlungsfähigen EU-Verfassung zur demokratischen Kontrolle sieht, wirkt der Grundtenor seiner Analysen eher skeptisch. M. Rei.

Schubert, Alexander: Der Euro. Die Krise einer Chance. Frankfurt/ M.: Suhrkamp, 1998, 172 S. (es; 2063) DM 16,80 / sFr 16,- / öS 123,-