Wird die Welt zunehmend durch eine Machtkonstellation beherrscht in der (wiederum) zwei Systeme um die Vorherrschaft ringen und doch gemeinsam auf die Zerstörung demokratischer Traditionen hinwirken? Gegen die Angriffe der expandierenden "Mc-World" einerseits und des Dschihad andererseits scheint der Nationalstaat machtlos zu sein. So zumindest sieht es der US-amerikanische Politologe B. Barber, der seine These mit einer Fülle überzeugender Argumente stützt. Der Zusammenprall von "alter" und "neuer" Welt, von Separatismus und Terrorismus der "Ayatollahs" als Reaktion auf die Globalisierung der "Mc-World-Generation", die in permanenter Beschleunigung von Fast Food zu Fast Information stürmt, wird, so Barher. an Wucht und Wirkung zunehmen. Am Beispiel der Invasion in das politische Vakuum ehemaliger Diktaturen (in Mittel-Osteuropa ebenso wie in anderen Weltregionen) zeichnet der Autor die Folgen dieser Entwicklung für aufkeimende Demokratien nach. Woran sollen sich jene bürgerbewegten Reformer orientieren, die basisdemokratische Vorstellungen einer zivilen Gesellschaft entwickelt haben und den alten und neuen zentralistischen Landesfürsten entfliehen wollen? Viele von ihnen fallen auf den Pseudointernationalismus der Kapitalismus-Missionare herein und müssen sich erst wieder mit Mühe von seinen scheindemokratischen Mechanismen befreien. Freilich weiß Barber keinen allgemeingültigen Ausweg aus dieser Misere aufzuzeigen, doch gilt seine Hoffnung der Tradition des Kommunitarismus, der (in der amerikanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts begründet) auf weitgehende Autarkie und ausgeprägte soziale Beziehungen setzt. Bürgerbewegungen, Selbsthilfegruppen, lokale bzw. regionale Kooperativen wären in der Lage, darauf zurückzugreifen. Ein systematisch sich entwickelndes Völkerrecht im Sinne des Global Governance müßte zudem auf einen Staatenbund (nach Schweizer Muster) aufbauen, um den Herausforderungen zu begegnen.  Zu befürchten ist allerdings, daß die zwanghafte Hektik der (neuen) Imperien die nötige Besonnenheit und kreative Langsamkeit immer wieder stören (oder zerstören?) werden. die zur Entwicklung zukunftstauglicher Gesellschaftsmodelle unerläßlich sind. M. Rei.

Berber, Benjamin R.: Coca Cola und Heiliger Krieg. Wie Kapitalismus und Fundamentalismus Demokratie und Freiheit abschaffen. Bern (u. e): Scherz-Verl., 1996. 320 S.,