Brücken ins Morgen bauen, wenn man nicht genau weiß, wo das andere Ufer liegt, geschweige denn, wie dieses beschaffen ist? Brücken bauen, wenn man nicht weiß, wer darüber geht? Brücken ins Morgen bauen, wenn man nicht weiß, wann und ob man das derzeitige feste Land verlassen soll?

Werner Lenz, renommierter universitärer und außeruniversitärer Erwachsenenbildner in Graz, wählt diese positiv besetzte Metapher als Herausgeber und Mitautor für sein neuestes Sammelwerk zu Zukunftsthemen und Zukunftsperspektiven der Weiterbildung. Fraglos ist es so, dass auch und gerade die Weiterbildung in bewegten Zeiten Übergänge sichtbar machen, neue Ressourcen bereitstellen, kurz – im übertragenen Sinne – eine Brückenfunktion einnehmen muss. Dass dies angesichts einer derart vielgestaltigen, widersprüchlichen, schnelllebigen und mitunter recht sprunghaften „Branche“ wie der Weiterbildung nicht leicht ist, liegt auf der Hand.

Zu „Wort“ kommen im vorliegenden Band durchwegs Lehrende und Forschende an der Abteilung für Weiterbildung des Instituts für Erziehungswissenschaften der Universität Graz. Sie greifen soziologische, politische, philosophische, pädagogische und ökonomische Aspekte der aktuellen Diskussion in der Weiterbildung auf. So ist das Werk zuerst ein Querschnitt und eine Momentaufnahme aktueller Denkansätze und Forschungsthemen der AutorInnen. Es spiegelt aber auch   freilich ohne Anspruch auf Vollständigkeit   bedeutsame Facetten der aktuellen Weiterbildungsdiskussion wider.

Die Themenpalette reicht vom Nachdenken über Politische Bildung in der Tradition von Hannah Arendt über die Frage von Zugängen und Barrieren zu beruflicher Bildung und einer hochaktuellen Abhandlung über die „unerforschte Insel“ der Lehrlinge an Österreichischen Universitäten bis zu einer Erörterung über Interkulturelle Kompetenz als Schlüsselqualifikation für das 21. Jahrhundert. Der Bogen spannt sich von Überlegungen zum Spannungsverhältnis von „Technikbildung und Geschlecht“ über eine kritische Auseinandersetzung mit der immer stärker auftauchende Frage nach der Weiterbildung als Wettbewerbsfaktor bis zu den immer wiederkehrenden – ob ihrer Bedeutsamkeit richtigerweise immer wieder neu erörterten   Themen vom Stellenwert zeitloser Bildung, von veränderten Wissens-Bildern und von der Erwachsenenbildung im gesellschaftlichen Wandel.

An der Beitragssammlung überzeugen die Originalität mancher Denkansätze und die Ausgewogenheit – etwa in der Gewichtung beruflicher oder allgemeiner Bildung. Die mangelnde  Grundausrichtung der Beiträge an einem konkreten Leitgedanken mag die Orientierung erschweren   wichtige Impulse für Diskussion und Weiter-Denken geben die Beiträge allemal ab. M. W.

Brücken ins Morgen. Bildung im Übergang. Hrsg. v. Werner Lenz. Innsbruck: Studien-Verl., 2000. 336 S., DM 54,80 / sFr 49,50 / öS 398.-