Zukunft beginnt in der Schule, weil sie die Grundlagen legt und jene Orientierung gibt, die nötig sind, damit die nächste Generation ihre Zukunft gestalten, neue Herausforderungen annehmen und zukunftsfähige Wege in sozialer, kultureller und ökonomischer Hinsicht gehen kann (S. 13). So umschreibt die CDU-Politikerin Annette Schavan ihr Anliegen an die "Schule der Zukunft': Ähnliches ist auch von der EU-Bildungsministerkonferenz zu hören, wenn von lebensbegleitenden Angeboten in der Schule die Rede ist. Zu oft allerdings bewegen sich die bildungspolitischen Debatten vordergründig um das Beschäftigungssystem Schule, wie die jüngste Diskussion in Österreich eindrucksvoll belegt.

Die Besinnung auf das eigentliche Thema scheint also durchaus angebracht, denn es geht - über Lippenbekenntnisse hinaus-um wirksame Wege des Lehrens und Lernens, auf denen die Talente und die Neugierde der nachkommenden Generation gefördert werden, "ihre Lern- und Leistungsbereitschaft geweckt, ihre Fähigkeit zu lebenslangem Lernen in einer rasch sich wandelnden Welt entfaltet" und dem Einzelnen Hilfe bei der Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit gegeben wird.

Zunächst gibt die Autorin einen Einblick in die Eigenart bildungspolitischer Debatten der letzten Jahre und konzentriert sich in Folge auf die am Bildungsprozeß teilnehmenden Personen. Thematisiert werden hier nicht nur neue Inhalte wie z. B. Fremdsprachenlernen oder die Förderung begabter Kinder, sondern auch der Arbeitsplatz Schule (v. a. eine notwendige Reform der Lehreraus- und -fortbildung in Richtung Dialog- und Streitkultur) und die Wahrnehmung neuer Aufgaben der Eltern (etwa in Bezug auf Aggressions- und Gewaltprävention).

Schavan schwebt eine Art "geistiger Generationenvertrag" im Sinne der Förderung einer "nachhaltigen" Entwicklung vor: "So wie eine humane Pädagogik nicht darauf zielen kann, die Kinder zu beherrschen, so darf sich eine humane und zukunftsfähige Weise des Wirtschaftens nicht an dem vergreifen, was unsere Kinder als Lebensgrundlage brauchen werden:' (S. 103) Die Bildungspolitikerin entwickelt konkrete Vorschläge für eine solche Pädagogik mit Priorität auf Qualitätssicherung für verschiedene Schularten. Für die Hauptschule etwa schlägt sie eine Vertiefung des Grundwissens, Konzentration auf allgemeine Lerninhalte sowie verstärkten Einsatz praxisnaher Lerntechniken vor. Die Zukunft der beruflichen Bildung sieht die Autorin in der praktischen Ausbildung, die partnerschaftlich von der Berufsschule ergänzt wird. Insgesamt muß die Schule der Zukunft nach Schavan Methoden entwickeln, "die mehr als bislang zu Selbständigkeit, Initiative und selbstgestaltetem Lernen ermutigen" (S. 150), also zu einem verantwortungsbewußten und qualitativen Umgang mit der Lebenszeit junger Menschen kommen.


A. A.

Schavan, Annette: Schule der Zukunft. Bildungsperspektiven für das 21. Jahrhundert. Freiburg (u.a.): Herder-Verl., 1998. 157 S. (Herder Spektrum; 4611) DM / sFr 16,80/ ÖS 123,-