Marktwirtschaft ist immer von Strukturwandel begleitet. Dieser geht in Wachstumsphasen relativ reibungslos vor sich. Anders stellte sich die Situation in den siebziger Jahren dar: es ergab sich die Notwendigkeit zum Strukturwechsel bei gleichzeitig verringertem   Wachstum. In dieser Zeit entstand das Konzept der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften. Es beruht in der Schaffung eines "Zweiten Arbeitsmarktes" für solche Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt benachteiligt sind, allerdings mit dem Ziel der (Wieder-)Eingliederung. Verstärkte Aktualität gewann diese Strategie in Deutschland infolge der Vereinigung und den damit aufgetretenen immensen Problemen in den neuen Bundesländern. Trotz anfänglicher Widerstände von Unternehmern und konservativen Politikern gelten Beschäftigungsgesellschaften mittlerweile als sozial- und strukturpolitischer Rettungsanker. Sie entstehen sowohl aus betrieblichen als auch aus kommunalen Initiativen und sind jeweils sehr unterschiedlich strukturiert. Gemeinsam ist ihnen das Motto: "Arbeit statt Sozialhilfe", d.h. anstatt Arbeitslosen einfach Sozialhilfe auszuzahlen, soll ihnen hier die Möglichkeit zur Arbeit und Qualifikation gegeben werden. Der entscheidend zukunftsweisende Ansatz dieses Konzepts ist es, gesellschaftlich nützliche und qualitativ sinnvolle Arbeit anzubieten. Christa Müller diskutiert Konzeption, Zielsetzung, Organisation etc. auch im internationalen Vergleich und gibt praktische Tips zur Gründung solcher Institutionen. Was - bei allen positiven Elementen - an der Form der Darstellung stört, ist, dass die Autorin ausschließlich auf Erfordernisse der formalen Ökonomie eingeht und die vielfältigen Möglichkeiten der "informellen Arbeit" ausblendet. J. W

Müller, Christa: Beschäftigungsgesellschaften. Bonn: Dietz, 1992. 144 S. (Politik im Taschenbuch; 6) DM 16,80/sFr 14,24/öS 131