Der vorliegende Bericht für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit einem neuen Konzept menschlicher Sicherheit im Alltagsleben sowie mit einer konkreten Tagesordnung für den kommenden Weltgipfel für soziale Entwicklung in Kopenhagen im März 1995 und entwickelt ein neues Konzept für die Entwicklungszusammenarbeit nach dem Kalten Krieg. Die vorrangig postulierten Ziele wie Frieden, Menschenrechte, Umweltschutz, verringertes Bevölkerungswachstum und soziale Integration können nach Ansicht der Herausgeber nur mittels einer auf den Menschen bezogenen Entwicklung erreicht werden, die auch die Natur respektiert und die Lebenschancen künftiger Generationen schützt.

Dazu notwendig wird eine Umstrukturierung und Stärkung der UNDP vom "theoretischen Botschafter" von Berichten (wie diesem) zu einem Promotor ihrer Verwirklichung. Für noch entscheidender als die Hilfe von außen wird aber eine grundlegende Reform der eigenen Wirtschaft erachtet. Die Vorschläge für den Sozialgipfel zielen u. a. auf die Schaffung des Rahmens für eine Chancengleichheit von Menschen und Staaten. Ein ,,20:20-Vertrag" sollte die Nehmerländer verpflichten, 20% ihres Haushalts für vorrangige menschliche Anliegen bereitzustellen, die Geberländer sollten die MitteIzuweisung ebenfalls um 20% anheben. Weiters wird eine jährliche Reduzierung der Militärausgaben um 3% (ca. 460 Mrd. Dollar) vorgeschlagen. Die dadurch freiwerdenden Mittel könnten zur Finanzierung eines "Globalen Fonds für menschliche Sicherheit" herangezogen werden.

Die Autoren gehen für die Jahre zwischen 1987 und 1994 wohl zu optimistisch von einer Friedensdividende von 935 Mrd. $ aus, die ihrer Ansicht nach ohnehin zum größten Teil zur Verringerung der Haushaltsdefizite verwendet wurde. Erwähnenswert sind noch Kurzbeiträge von fünf Nobelpreisträgern, die ebenfalls konkrete Vorschläge u. a. etwa zu einem globalen Entmilitarisierungsfonds, einer Besteuerung internationaler Devisentransaktionen oder zu einer globalen Lenkung durch eine Weltregierung unterbreiten. Schließlich wird für 173 Länder eine Rangliste nach einem Index für menschliche Entwicklung erstellt. Der HDl (Human Development Index) berücksichtigt drei grundlegende Komponenten menschlicher Entwicklung: die Lebenserwartung bei der Geburt, den Alphabetisierungsgrad und das Einkommen in Dollar pro Kopf und ermöglicht aufschlussreiche Vergleiche zwischen Ländern über längere Zeiträume.

A.A.

Bericht über die menschliche Entwicklung 1994. Bonn: Dt. Ges. f. d. Vereinigten Nationen, 1994, 258S., DM 13,50/ sFr 71,50/ öS 105,-