Seit 1990 gibt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) jedes Jahr den Bericht über die menschliche Entwicklung bei einem unabhängigen Expertenteam in Auftrag, um wichtige Fragen von globaler Bedeutung zu erörtern. Im diesjährigen Bericht wird das Potenzial von Biotechnologie und Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) für die Entwicklungsländer analysiert. Die Autoren vertreten dabei den Standpunkt, dass beide Bereiche tatsächlich einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Armut auf der Welt leisten könnten.


Der IKT werden insofern bedeutende Auswirkungen auf die Entwicklung bescheinigt, als sie die Grenzen sozialer, wirtschaftlicher und geographischer Isolation überwinden, den Zugang zu Informationen und Bildung erweitern und arme Menschen in die Lage versetzen kann, an mehr Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, mitzuwirken. Insofern ergeben sich neue Möglichkeiten für die politische „Ermächtigung“ (empowerment), für Gesundheitsnetzwerke (Gambia und Nepal) oder auch für Fernstudien (Südafrika).


Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass viele der wichtigsten technologischen Möglichkeiten für arme Menschen wegen fehlender Nachfrage auf dem Markt und unzureichender staatlicher Finanzierung bisher ungenutzt blieben. Eine Konsequenz daraus ist, dass nur 10 Prozent der weltweiten medizinischen Forschung auf jene Krankheiten ausgerichtet ist, die 90 Prozent der weltweiten Krankheitslast ausmachen. 1998 beliefen sich die Ausgaben für medizinische Forschung weltweit auf 70 Milliarden US-Dollar, nur 300 Mio. jedoch wurden in Impfstoffe für HIV/AIDS und etwa 100 Millionen in die Erforschung von Malaria investiert.


Ähnlich verhält es sich im Bereich Gentechnologie. Zwar würde sich für viele Entwicklungsländer großer Nutzen aus genetisch veränderten Nahrungsmitteln, Kulturpflanzen und anderen Organismen ziehen lassen, doch hat, so die Hauptautorin des Berichts, Sakiko Fukuda-Parr, die Forschung vorrangig die Bedürfnisse der einkommensstarken Konsumenten im Auge und nicht diejenigen in den Entwicklungsländern mit wenig Kaufkraft. Darüber hinaus werden durchaus auch ökologische und gesundheitliche Risiken eingeräumt (die man aber in Griff bekommen kann), gleichzeitig aber das einzigartige Poten-zial für die Schaffung von virus- und trockenheitsresistenter sowie nährstoffreicher Kulturpflanzen betont. Schließlich fordert der Bericht eine verstärkte Erforschung der Langzeit-Auswirkungen und befürwortet die Kennzeichnung genetisch veränderter Produkte, um den Verbrauchern die Möglichkeit selbstbestimmter Entscheidung einzuräumen. In Australien, Brasilien, Japan und Großbritannien gibt es bereits eine solche Kennzeichnungspflicht. Wie die Armutsschranke durch den Zugang zur IKT und Biotechnologie überwunden werden könnte, wird jedoch nicht ausreichend präzise abgehandelt.


Wie in den vergangenen Jahren bewertet der Bericht schließlich 162 Länder im Hinblick auf ihr Niveau der menschlichen Entwicklung. Die Studie betrachtet dabei nicht nur das Pro-Kopf-Einkommen als Maßstab für menschlichen Fortschritt, sondern berücksichtigt auch Faktoren wie die durchschnittliche Lebenserwartung, den Grad der Alphabetisierung sowie das allgemeine Wohlbe-finden. An erster Stelle des Rankings steht Norwegen, gefolgt von Australien und Kanada; Schlusslichter sind Burkina Faso, Burundi, Niger und Sierra Leone. A. A.

Bei Amazon kaufenBericht über die menschliche Entwicklung 2001. Neue Technologien im Dienste der menschlichen Entwicklung. Veröffentlicht für das Entwicklungsprogramm der Ver-einten Nationen (UNDP). Hrsg. v. d. Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Bonn, 2001. 299 S., € 20,50 / DM / sFr  57,70 / öS 423,-