Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesminister für Umwelt und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), hat zusammen mit der Publizistin Friederike Bauer nun seinen Beitrag zu den ungelösten Umweltproblemen, den weitreichenden Veränderung der großen Ökosysteme – Ozeane, Regenwälder und Eismassen – veröffentlicht. Man ist geneigt zu sagen, späte Einsichten eines, der selbst viel zu einer frühzeitigen Umsteuerung hätte beitragen können. Und so bleibt ein schaler Beigeschmack jenseits aller Sachzwänge und Hemmnisse, nun „am Ende einer Dienstfahrt“ lieber ein Buch geschrieben zu haben, das die Anderen (die BürgerInnen) auffordert, etwas zum Besseren zu ändern.

 

Neben den vorangestellten Einwänden nun zum Inhalt des Buches. Anschaulich schildern Töpfer und Bauer, was uns bevorsteht, wenn wir nicht handeln. Die „Arche wackelt und schaukelt bedenklich“, um die Metapher des Buchtitels aufzugreifen. Ob Klima, Artenvielfalt, Ernährung oder Wasser – überall lauern existentielle Gefahren. Die beiden gehen davon aus, dass die steigende Erderwärmung, die veränderte Wasserzusammensetzung der Ozeane, schmelzende Gletscher vom Menschen verursachte Veränderungen sind, die nicht mehr von heute auf morgen zu beheben sein werden. Trotz dieser tristen Aussichten gibt es aber noch Spielraum, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

 

Das Autorenduo fordert neben der Effizienz (Faktor 3 oder Faktor 10) auch die Suffizienz, also das maßvolle Konsumieren und eine Begrenzung der eigenen Ansprüche zur Lösung der Klimaänderung. „Das Verhalten jedes Einzelnen ist entscheidend, wenn ein umfassender Wandel eintreten soll.“ (S. 223) Jenseits diverser Abschlusserklärungen, die ihrerseits ohnehin nur wieder in Aussicht stellen, bei nächster Gelegenheit über eine Zusammenarbeit nachzudenken, sei jeder einzelne Bürger gefordert. Dazu bedarf es der technischen Fortschritte ebenso wie einer Korrektur unserer Verhaltensweisen. Einen Königsweg aus dem fossilen Zeitalter sehen aber auch die Autoren nicht. Die sich anbietenden Alternativen – Sonnenenergie, Wasser- oder Windkraft, Erdwärme oder Biomasse, sollten wir aber entschlossener als bisher nutzen.

 

Insgesamt ist zu konstatieren, dass ein hochrangiger Politiker in einigen Punkten umgedacht hat, und das macht seinen Beitrag wiederum sympathisch. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das  Layout (von Jörg Hülsmann), auch wenn – dreimal dürfen sie raten – das Buch auf Umweltschutzpapier gedruckt ist. A. A.

 

Töpfer, Klaus; Bauer, Friederike: Arche in Aufruhr. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2007. 231 S.,  € 19,90 [D], 20,50 [A], sFr 35,- ISBN 978-10-003702-2