1993 hat der von der Umweltorganisation Friends of the Earth in Auftrag gegebene Aktionsplan "Sustainable Netherlands" für internationales Aufsehen gesorgt. Die vorliegende Untersuchung ist der österreichische Beitrag zu der unter Federführung des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie durchgeführten Studie “Towards Sustainable Europe", mit der in rund 20 europäischen Ländern und Regionen der" Umweltraum", das heißt die für eine nachhaltige Entwicklung verfügbare Energie- und Ressourcenbasis erfaßt werden soll.

Eine nachhaltige Entwicklung beachtet die ökologischen Grenzen wirtschaftlicher Tätigkeit, respektiert die Grundbedürfnisse aller lebenden Menschen und die Bedürfnisse späterer Generationen. Die Ausgangsfrage der österreichischen Umweltwissenschaftlerinnen lautete daher, wieviel Verbrauch an Rohstoffen, Energie, Fläche und Wasser jedem Österreicher und jeder Österreicherin zustehen, ohne daß die natürlichen Systeme überstrapaziert werden. Neben quantifizierbaren Größen wie Schadstoffausstoß und Naturverbrauch wurden auch schwer abwägbare Risiken von Großtechnologien berücksichtigt, so daß die Studie im Sinne des "Vorsichtsprinzips" sowohl die Atom- als auch die Gentechnologie als Zukunftsoptionen ausschließt.

Das zu erwartende Ergebnis der Untersuchung zusammengefaßt: Die Österreicherinnen verbrauchen derzeit weit mehr Ressourcen, als dauerhaft verträglich ist. Um zumindest das Toronto-Ziel zu erreichen, sei eine CO2-Reduktion um 25 % bis zum Jahr 2010 (und um 70 % bis zum Jahr 2030!) notwendig, was für die erste Etappe eine Drosselung des Energieverbrauchs um 11-12 % bei gleichzeitigem Ausbau erneuerbarer Energieträger erforderte. Ein Exkurs in den Verkehrsbereich macht die Transportintensität unserer heutigen Wirtschaftsweise deutlich; gefordert wird daher eine dezentrale Versorgungsstruktur für Lebensmittel und agrarische Rohstoffe. Der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen einschließlich naturfremder Chemikalien, der über das Konzept des '"ökologischen Rucksacks" von Produkten erfaßt wird, müsse bis zum Jahr 2040 auf ein Zehntel des derzeitigen Umsatzes gesenkt werden ("Dematerialisierungsfaktor 10"). Empfohlen wird u. a. die Einschränkung energieintensiver Materialien (keine Alu-Verwendung im kurzlebigen Verpackungsbereich), der langfristige Verzicht auf gefährliche Stoffe (wie Cadmium und Blei) sowie der Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe etwa durch die Reaktivierung  "vergessener" Kulturpflanzen wie Flachs und Hanf. Auch die weiter untersuchten Bereiche Flächenverbrauch, Land- und Forstwirtschaft sowie die im Vergleich zu anderen Ländern relativ stabile Wasserversorgung bestätigen den Trend, daß Österreich noch weit von einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise entfernt ist.

Da heute niemand bis ins letzte Detail sagen kann, welcher Umweltraum den Menschen im Jahr 2050 zur Verfügung stehen wird, werden gewisse Unschärfen bewußt in Kauf genommen, betont der Herausgeber, es sei aber möglich, "die Richtung zu definieren, in der sich eine nachhaltige Gesellschaft entwickeln muß. " Dieses Ziel hat die Untersuchung auf alle Fälle erreicht.

H. H.

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in Österreich. Action Plan “sustainable Austria ". Hrsg. v. Michael Kosz. Wien u. a.: Eigenverl., 1994. 155S., DM /sFr 19,50/ ÖS 150,- zuzgl. Porto (Erhältlich bei Friends of the Earth, A-8262 Nestelbach 14, Tel + Fax 03385/8751)