Hanns-Christian Gunga

Am Tag zu heiß und nachts zu hell

Ausgabe: 2020 | 2

Der Mediziner Hanns-Christian Gunga beschäftigt sich in dieser Publikation mit den Grenzen unseres Körpers im Kontext von Umweltextremen. So verkleinern etwa steigende Temperaturen den men­schlichen Lebensraum. Hitzebedingte Krankheiten oder gar Tod können verhindert werden, wenn man sich richtig verhält. Auch Druck macht unserem Körper zu schaffen: eine relativ neue Sorge, die durch das Massenphänomen Extrembergsteigen zum Thema wird. Die Mentalität eines „zu schnell, zu hoch, zu bepackt“ (S. 63) führt immer wieder zu Todesfällen.

Was Energie – vor allem durch Nahrungszufuhr – anbelangt, sind Menschen durchaus resilient. Tatsächlich können Menschen bis ca. 50 Tage ohne Nahrung überleben. Eine neue Her­ausforderung ist der „verborgene Hunger“, bei dem zwar Nahrung zur Verfügung steht, diese aber nicht ausreichend Nährstoffe beinhaltet. Spannend auch die Rolle von Zeitgefühl für unsere körperlichen Abläufe: Unsere innere Uhr kann sich zwar im Leben mehrmals leicht verschieben, grundsätzlich bleiben wir aber „Lerchen“ oder „Eulen“. Ein permanentes Übergehen unseres biologischen Rhythmus kann erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben – ebenso wie chronischer Schlafmangel, der in Zeiten des digitalen Überangebots und der Lichtverschmutzung ständig zunimmt: „Astronomen, Biologen, Mediziner und insbesondere Schlafforscher beklagen seit langem den Verlust der Nacht.“ (S. 162)

Eine letzte Extremsituation ist die Schwerelosigkeit: Tatsächlich ist ein Weltraumaufenthalt für unsere Muskulatur, den Stützapparat und sogar das Gehirn sehr ungesund. Sollten tatsächlich in Zukunft Reisen zum Mars erwogen werden, gibt es demnach eine Reihe von medizinischen Problemen zu lösen. Wir bleiben also noch eine Weile von der Erde abhängig. Zu Ende des Buches verweist Gunga darauf, dass die Menschheit beständig wächst, während unser Lebensraum immer kleiner wird: „Vermutlich 99,99 Prozent aller höheren Organismen, die auf unserem Planeten leben (und je gelebt haben), befinden sich in diesem Lebensraum: 200 Meter unter Wasser und 800 Meter darüber.“ (S. 208) Es gilt, diesen Lebensraum zu bewahren.