Arbeitsplatzbeschaffung durch innovative Produktideen

 

Die konstant hohe Arbeitslosenrate in Europa macht es notwendig, sich über durchgreifende Gegenmaßnahmen Gedanken zu machen. Hier wird ein Konzept vorgestellt, das mit Begriffen wie job creating oder Alternative Fertigung umschrieben wird und dessen Hauptanliegen darin besteht, nicht nur gegen die Arbeitslosigkeit zu kämpfen, sondern sich auch und in erster Linie für die Arbeitsplatzbeschaffung zu engagieren. Dies soll vor allem durch den normalen marktwirtschaftlichen Prozeß der Innovation, also der Initiierung von neuen Produkten und Geschäftsfeldern, geschehen. Mittels zahlreicher, detailliert beschriebener Beispiele aus der Praxis zeigt der Autor, wie in gefährdeten Unternehmen durch Produktumstellung bestehende Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden konnten. Dabei werden auch Schwierigkeiten und Mißerfolge nicht verschwiegen, aber: „Es gibt ein fast unbegrenztes Potential an menschlicher Problemlösungskapazität und -bereitschaft, das nur darauf wartet, eingesetzt zu werden” (S. 140). Also gilt es, alte Denkmuster hinter sich zu lassen und offen zu sein für neue Produkte, die nicht nur Arbeitsplätze bringen, sondern auch helfen, dringende Probleme unserer Zeit zu lösen. Besonders in Verkehr und Umwelttechnologie finden sich in dieser Hinsicht noch viele unerschlossene Möglichkeiten. Die Arbeitswelt von morgen, so Werckmeister, verlange die Bereitschaft zu Kooperation. Vorsorge statt Nachsorge, Handeln statt Reden, Mut zur Innovation sind Schlüsselbegriffe des Konzeptes, das es möglich machen soll, der steigenden Arbeitslosigkeit Herr zu werden.

Das Hauptanliegen des Autors besteht darin, den Leser zur Aktivität aufzurufen und ihm Wege aufzuzeigen, wie jeder die zukünftige Entwicklung des Arbeitsmarktes beeinflussen kann. Die ausführlichen Beschreibungen seiner Erfahrungen nehmen den Großteil des Buches ein und machen deutlich, daß das vorgestellte Konzept zumindest in Einzelfällen funktioniert; so stellte sich z. B. ein Rüstungsbetrieb auf den Bau von Solaranlagen um. Das erklärte Ziel liegt nun allerdings darin, das Prinzip der Alternativen Fertigung auch im großen Stil umzusetzen, um damit letztendlich den Traum der Vollbeschäftigung Wirklichkeit werden zu lassen.

Die angeführten Beispiele beziehen sich fast ausschließlich auf die deutsche Industrie. Es bedarf also der Prüfung; ob und wie das Konzept des job creating auch in anderen europäischen Staaten funktioniert. Es gelingt dem Autor jedoch, dem Leser Mut zu machen und Ansätze zu zeigen, wie im Dreiklang von Politischer Steuerung, industrieller Innovationsbereitschaft und Engagement von seiten der ArbeitnehmerInnen der Arbeitslosigkeit entgegengewirkt werden kann. C. H.

Werckmeister, Georg. Die Jobmaschine. Mit Produktideen Arbeitsplätze schaffen. Bonn: Dietz, 1998. 240 S. (Politik im Taschenbuch; 22) DM/sFr 24,80 / öS 181,-

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