Die Alfred-Herrhausen-Gesellschaft versucht anläßlich ihres 2. Jahreskolloquiums Arbeitslosigkeit in vielfältigen Facetten zu beleuchten, wobei u. a. neben Arbeitsmarkttheorien auch die Umverteilung von Arbeit, Arbeitszeitflexibilität sowie die Humanisierung der Arbeitswelt angesprochen wurden Einige Zahlen machen deutlich, welcher Anstrengungen es bedarf, das Problem in den Griff zu bekommen: innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich in Westdeutschland die arbeitsfähige Bevölkerung um 5,5 Mio. Menschen vermehrt. Im Jahr 1993 wurden 2,3 Mio. Arbeitslose gezählt. Bis zum Jahr 2000 werden 3 bis 3,5 Mio. neue Arbeitsplätze benötigt, um die Arbeitslosenziffer auf den Stand vor Beginn der Rezession zu senken.

Eingangs beschäftigt sich der Theologe Hans Küng mit dem Lebenssinn der Arbeitsgesellschaft bzw. Erlebnisgesellschaft. Er fordert ein "Weltethos", das auf Humanität zielt und zugleich Verantwortung und Selbstverpflichtung einschließt. Die nachfolgenden Referenten widmen sich dann etwa der Vollbeschäftigung oder erkennbaren Entwicklungstendenzen des Arbeitsmarktes. Wolfgang Franz (Universität Konstanz) zieht eine nüchterne Bilanz und sieht die Priorität in der notwendigen Schaffung von Arbeitsplätzen bei gleichzeitiger Änderung des Abgabensystems in Richtung Versicherungslösung und stärkere Belastung des Konsums bei gleichzeitiger Senkung der Sozialversicherungsbeiträge.

Insgesamt war die Mehrheit der Vortragenden der Ansicht, daß es zwar keine Patentrezepte zur Überwindung der Arbeitslosigkeit gibt, daß jedoch die gravierendsten Probleme gemindert werden können. Zweifellos ist Handlungsbedarf gegeben, denn andernfalls werden krisenhafte Entwicklungen nicht ausgeschlossen. Vorschläge für die Zukunft zielen auf eine Förderung der Eigeninitiative im Sinne einer echten "Wertschöpfungsgemeinschaft" (Wolfgang Reitzle) oder auf Lohnmäßigung im Tarifbereich (Herbert Giersch). Leider fehlen neben den wirtschaftsfreundlichen Signalen doch umfassend neue Konzepte, die über vage Annahmen und den Glauben in die Beherrschbarkeit der Probleme hinausgehen. Mit derart abgehobenem Fabulieren ist den allein in Deutschland knapp drei Mio. Betroffenen kaum geholfen.

A. A. 

Arbeit der Zukunft, Zukunft der Arbeit. 2. Jahreskolloquium 17/18. Juni 1994 in Frankfurt/M. Hrsg. v. d. Alfred-Herrhausen-Ges. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 1994.248 S., ca. DM / sFr 48,-/ öS 375,-