"Müllexport ist die schäbigste Variante von Wirtschaftsbeziehungen." Unter diesem von Greenpeace stammenden Motto widmen sich Ch. Grefe und A. Bernstorff diesem zunehmend wichtigen Thema im Spektrum der Umweltdiskussion. Um "Sondermüll" loszuwerden, nützen die Industrieländer die Devisenknappheit der Dritten Welt, wie bis vor kurzem auch des Ostens, um ein Problem beim Schwächeren abzuladen. Mindestens 170 Mio. Tonnen hochgiftiger Abfälle wurden nach einer Greenpeace-Schätzung alleine seit 1986 auf die Reise geschickt: Farben, Lacke, Medikamente, Öl, Flugasche, Dioxin, Arsen und Asbest, Klärschlamm und Schwermetalle aus den Konsumparadiesen landen in Wüsten und Sümpfen, auf Inseln und in Meeren, in Vorstadt-Slums und Hinterhöfen wuchernder Dritte-Welt-Metropolen. Händler, Makler, Reeder und Konsulenten profitieren von Armut und Informationsmangel der Entwicklungsländer, die oft nicht wissen, welche Zeitbomben sie sich da einhandeln. Reicht das angebotene Geld nicht aus, werden Waffen offeriert. Trotzdem wächst das Problembewusstsein der armen Länder: also verschleiert man mit einer beschämend euphemistischen Sprache oder bietet zugleich Giftmüll-Verbrennungsanlagen an und macht damit noch einmal ein Geschäft. Das Buch belegt diese Situation mit zahlreichen Beispielen aus verschiedenen Weltgegenden und informiert über vielfach kaum beachtete Rechtsvorschriften. An Lösungsansätzen werden Müllvermeidung, Recycling, neue reststoffarme Produktionsverfahren sowie ein grundsätzliches Verbot jeglichen Müllexports genannt.

 

In dieser informativen Reihe, die in erster Linie dem Bedürfnis nach übersichtlicher Erstinformation nachkommt und neben Adressen auch weiterführende Literatur verzeichnet, kürzlich erschienen: Zum Beispiel Kaffee. Red.: Günter Neuberger ... Göttingen: Lamuv-Verl., 1991. 128 S., DM 7,80/ sFr 6,60 / öS 60,80 Hoering, Uwe: Zum Beispiel Umweltzerstörung. Göttingen: Lamuv-Verl., 1991. 127 S., DM 9,80/ sFr 8,30 / öS 76,40 Dieser Band thematisiert einen neuen Typ von Flüchtlingen der als solcher (noch?) nicht in den Statistiken auftaucht: die „Umweltflüchtlinqe", Ihre Zahl wird heute auf 500 Mio. geschätzt und betrifft v.a. Länder der Dritten Welt; bei Andauern der Trends könnten bis zum Jahr 2000 doppelt so viele Menschen betroffen sein. 

Grefe, Christiane; Bernstorff, Andreas: Zum Beispiel Giftmüll. Göttingen : Lamuv-Verl., 1991. 96 S. (SüdNord) DM 7,80/ sFr 6,60 / öS 60,80