Janosch Schobin

Zeiten der Einsamkeit

Ausgabe: 2026 | 2
Zeiten der Einsamkeit

Janosch Schobin erkundet ein universelles Gefühl, er widmet sich der Einsamkeit. In vier Teile lässt sich der Band dabei einteilen. Da ist zunächst „Eine kurze Geschichte der Einsamkeit“, in der Schobin soziokulturelle Kontexte seit dem 17. Jahrhundert nachzeichnet. Seine Ausführungen unterfüttert er dabei mit sozialwissenschaftlichen Verweisen wie mit Literaturbeispielen, schreitet so zügig voran bis zum 21. Jahrhundert und konstatiert: „Einsamkeit ist [...] immer weniger der Effekt eines kollektiven Schicksals und immer mehr ein Phänomen, das sich aus den individualisierenden Effekten der sozialen Aufstiegs- und Entbettungsdynamik einer konsumintegrierten Mittelklassegesellschaft ergibt“ (S. 34). Einsamkeit, so der Autor, wurde immer mehr zu einem psychischen Privatproblem, dem keine gesellschaftliche Bedeutung zugesprochen wird.

Schobin liefert zweitens „Thesen über die Einsamkeit der Gegenwart“, um drittens zum Hauptteil seines Buchs zu kommen, das auf von ihm geführten Interviews basiert.

Formen von Einsamkeit

Anhand von Individualschicksalen werden Formen von Einsamkeit herausgearbeitet, Entstehungsmechanismen wie auch Auseinandersetzungen damit: Wir lernen beispielweise  Doris und Gisela kennen, die mit Trauer, mit der Einsamkeit der Überlebenden, unterschiedlich umgehen und zwei Arten sozialer Rahmung von Einsamkeitsempfindungen erkennen lassen: „sozial eingebettete und stille Formen der Einsamkeit. In eingebetteten Formen ist die Äußerung von Einsamkeit nicht stigmatisiert“ (S. 95). Wir treffen auch John, anhand dessen Lebensgeschichte die Möglichkeit chronischer Einsamkeit deutlich wird. Informationen und Beobachtungen setzt Schobin dabei stets in Bezug zu gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, lässt somit ein detailliert ausgestaltetes Gesamtbild entstehen.

Was die Zukunft bringt

Und viertens widmet sich der Autor „Der Zukunft der Einsamkeit“, hebt Themen und gesellschaftliche Dynamiken hervor, die Einsamkeitsbelastungen in den kommenden Jahren bestimmen könnten, darunter Künstliche Intelligenz oder auch beschleunigte soziale Aufstiegs- und Abstiegsdynamiken. „Die Einsamkeitsfrage gehört mit zu der Frage, was mit einer globalen Gesellschaft passiert, die sich immer häufiger an schockartige Ereignisse wie Klimafluchtwanderungen, den Zusammenbruch von Märkten, an Kriege und Pandemien anpassen muss“ (S. 193), hält Schobin abschließend in dieser lesenswerten Publikation fest.