"Die globalen Probleme sind die Vorausschatten einer erkämpfbaren vernünftigen Weltordnung", so die optimistische Perspektive des Herausgebers in der Einführung. "Jeder kennt den ‚kritischen' Punkt beim Aufblasen eines Luftballons", zieht der Physiker Gerhard Knies in seinem besonders hervorzuhebenden Beitrag einen anschaulichen Vergleich zur gegenwärtigen Weltlage und spart nicht mit drastischen Worten: "Die Natur wird in einer militanten Welse ausgeschlachtet, vermarktet und vermüllt."

Die "zivilisatorische Raserei der Reichtumsländer und die demographische der Armutsländer" überfordern die natürlichen Kapazitäten der Erde. Der derzeitig beschrittene Weg technischer Lösungen sei Selbstbetrug, da er die Gefahrenpotentiale nicht vermeidet, sondern lediglich unserer Wahrnehmung entzieht und damit legitimiert. "Verpackende Sicherheitstechnik ist das trojanische Pferd der zivilisatorischen Selbstzerstörung" ist Knies überzeugt und sieht als einzigen Ausweg die "Verminderung der Selbstgefährdungspotentiale" und zwar als "global organisierte Selbstbeschränkung der Menschheit", da freiwillige Selbstbeschränkung einiger weniger nicht reiche.

"Lokal denken - global handeln" - kehrt der Physiker ein wohlbekanntes Motto der Umweltbewegung um. Notwendig seien Initiativen für eine "Geosozial-", eine" Geoökosphären-". eine" Georessourcen-" und eine "Geobesiedlungspolitik". Michael Brie in seinem Beitrag zur "Reorganisation der Soziosphäre ". Der Friedensforscher Hakan Wiberg entwickelt ein Szenario über Konflikte der Zukunft und Vorschläge für deren gewaltfreie Bearbeitung. Die Bildung internationaler Regime, eine auf Diplomatie und Kooperation orientierte UNO, die Beseitigung der Konfliktursachen (Verstärkung des UN-Engagements für Entwicklung und Umweltschutz) sowie die Förderung von Bürgerdiplomatie und Zivilgesellschaft nennt er dabei als wichtigste Säulen.

Das Verschwinden umweltgerechten Handelns beschreibt die Soziologin Evelyn Hanzig-Bätzing aus dem zunehmenden Erfahrungs- und Beziehungsverlustes des modernen Menschen zur Außenwelt wie zu sich selbst, wobei ihr das Phänomen der sog. „borderline"-Persönlichkeiten aus der Psychopathologie als Leitbild dient. Zuletzt entwirft der Politikwissenschaftler Wolfgang Hein mögliche Modelle einer zukünftigen Weltordnung. Einer" Pax Americana" oder reformierten "Vereinten Nationen" demokratisierter Nationalstaaten stellt er die globale Selbstorganisation vor allem auf der Grundlage von NGOs gegenüber.

H. H.

Weltbild - Weltordnung. Perspektiven für eine zerbrechliche und endliche Welt. Hrsg. v. Wolfgang Hofkirchner. Münster: Agenda-Verl., 1994. 125 S. (agenda global; 3) DM 25,-1 sFr 23,-1 ÖS 195