„Die Diagnose” - so des Autors Resümee auf seiner Suche nach dem Abenteuer Zukunft - „ist eindeutig und verspricht zu halten: Andere Zeiten gebieten neues Denken. Taten stellen sich in einer offenen, einer geöffneten Gesellschaft im nötigen Ausmaß organisch ein. (...) Bei allem Tempo, das das 20. Jahrhundert geprägt hat, bietet sich für das 21. die einmalige Chance, aus den Fehlern zu lernen und dem Glück, dem Paßwort für eine belastungsfähige Zukunft, den Weg zu bereiten.” (254). Hoffnungsvolle Töne, die der langjährige EU- und USA-Korrespondent des Österreichischen Rundfunks anstimmt, und doch halten sie der kritischen Analyse kaum Stand.

Denn was Emmerich in seiner stilistisch versierten, aber zugleich äußerst subjektiven (und in diesem Sinne journalistisch seichten) Tour d’horizont in Sachen Zukunft anbietet, ist über weite Strecken Ausdruck alten Denkens: Nicht nur, daß dem Recht des Stärkeren das Wort geredet und kollektive Verantwortung als Zeichen von Schwäche denunziert wird, halbierte Steuern und gestrichene Subventionen als Begleitmusik des freien Marktes eingefordert, der Euro als Kittmasse Europas gepriesen und der leistungsverweigernden Jugend („Spaßgeneration”) wie auch den „verwöhnten Erben der Aufbaugeneration” in einem Aufwaschen die Leviten gelesen werden; auch daß von Solidarität einzig in militärischem Zusammenhang gesprochen, die NATO als friedensstiftende Macht, agierend im Auftrag der Vereinten Nationen betrachtet und Neutralität als antiquiertes Versatzstück der Geschichte eingestuft wird, ruft Widerspruch hervor.

Nicht minder befremdlich tönt stakkatoartig die Rezeptur zur Behebung der Arbeitslosigkeit: „Weniger Frauen, weniger Ausländer, weniger Schwarzarbeit”. Daß Emmerich jedoch zudem in einem Atemzug für die Wahrnehmung der atomaren und gentechnologischen Option als Ausdruck fortschrittsorientierter Gesinnung plädiert und damit zugleich ökologisches Engagement pauschal desavouiert - „Einmal das Atom, dann die Umwelt und schließlich - weil’s wissenschaftlich ins Konzept der allgemeinen Verunsicherung paßt - das Klonen” - um darin „Schemata einer inzwischen weltweit organisierten Anti-Kapitalismus-Front” auszumachen (S. 18), ist ebenso ärgerlich wie abstrus. Paßt ins Bild, daß - von wenigen, vorwiegend polemischen Zitaten abgesehen - so gut wie keine aktuelle Literatur zur Absicherung der eigenen Sichtweise herangezogen (oder gar nachgewiesen) wird und - ein Kunstgriff der besonderen Art - auch die Disziplin der  Zukunftsforschung mit einem gleichermaßen sarkastischen wie durchaus auch positiv zu interpretierenden Bonmot pauschal (hin)gerichtet wird: Nach Peter Sellars, dem eine karikaturistisch-theatralische Sicht der Zunft durchaus zugestanden sei, heißt „Zukunftsforschung die Kunst, sich zu kratzen, bevor es einen juckt” (S. 245). Sich ob dieser Sichtweise indes der differenzierten Befunde dieser Disziplin so gut wie vollkommen zu verschließen, muß als mehr als abenteuerlich bezeichnet werden. Daß auf dieser Basis viel Polemik, aber so gut wie keine konkrete Aussage über die Zukunft auszumachen ist, wird kaum überraschen.

Insgesamt eine trendig konservative Annäherung an den Gegenstand, die - so steht zu erwarten - ihre LeserInnen finden wird und doch die in den Titel gesetzten Erwartungen grandios verfehlt. W. Sp.

Emmerich Klaus: Abenteuer Zukunft. Was kommt nach der Jahrtausendwende. Wien: Ueberreuter, 1999. 254 S. DM 39,80 / sFr 37,- / öS 291,-