Das nächste Jahrtausend kommt bestimmt und wahrscheinlich schneller als so mancher sich das wünscht. Um darauf gut vorbereitet zu sein, hält der Buchmarkt nun schon seit geraumer Zeit unverzichtbare Begleiter bereit. Auch der vorliegende Titel reiht sich in diesen Millenniumsmarkt ein. Die Publizisten Birgit Brandau und Hartmut Schickert haben viele interessante Details, Fakten, Zitate und Kuriositäten zur Jahrtausendwende und darüber hinaus zusammengetragen.

Beginnen wir die Reise ins nächste Jahrtausend mit der inzwischen hinlänglich bekannten Feststellung, daß dieses erst am 1.1.2001 beginnt und auch das ist längst nicht gesichert, wie von den Autoren zu erfahren ist. Wann auch immer, noch ist nicht die Zeit für Weltuntergang(sstimmung), denn dieser wird erst in ca. 3,5 Mia. Jahren, also ungefähr 120 Mio. Menschengenerationen später stattfinden. Und sogar der Computer-Crash ist für den privaten Anwender keine wirkliche Bedrohung. Betroffen allerdings, so die Autoren, sind die Großanwender. Die Kosten zur Abwendung eines weltweiten Computer-GAUs werden auf immerhin ca. 600 Mia. US-Dollar geschätzt, womit sie jene der USA im Verlauf des Vietnamkriegs (500 Mia. $) deutlich übersteigen.

Wer noch Tips für die Silvesterplanung benötigt, findet hier überlegenswerte Anregungen. Ob man mit der Concorde den Zeitzonen entgegenfliegen und so von Paris bis Hawaii viermal den Jahrtausendwechsel genießen oder an einer Safari auf Hemingways Spuren zum stolzen Preis von 10.120 Dollar teilnehmen will, die Reiseveranstalter werden nicht müde, ihre extravaganten Angebote anzupreisen. Für Silvestermuffel gibt es die Möglichkeit, sich ein U-Boot oder einen Leuchtturm zu mieten. „Die International Lighthouse Agency hat allein in Europa rund 300 solcher Bollwerke der Einsamkeit im Angebot (Kostenpunkt: etwa 500 Euro).“ (S. 33)

Kritische Anmerkungen findet man zum Mythos Fortschritt, zum Recht auf Arbeit oder Faulheit (Beispiel des notwendigen Umdenkens ist die Berliner Gruppe „Glückliche Arbeitslose“ und deren Zentralorgan „Der Müßiggangster“). Weitere Themen reichen von der „Rächt-Schreibrephorm“ über die Chancen der interaktiven Medien (Nischenprogramme bei Radio und Fernsehen) bis hin zu den Segnungen des Internet. Den Rückgang des Bevölkerungswachstums von 2 % in den 80er Jahren auf gegenwärtig 1,33 % führen die Autoren nicht zuletzt auf Aids zurück. Die Seuche hat etwa die durchschnittliche Lebenserwartung in Botswana um 29 in Zimbabwe um 25 Jahre gedrückt.

Schließlich ist auch noch ein zehngängiges Jahrtausendmenü (von Terrine vom Fasan und Glasnudelsuppe über Rehrücken an Morchelrahm bis hin zum Dessert „Fünf-Kontinente-Petit-fours“) nachzulesen. Neben der Mischung aus ernsten und vergnüglichen Beiträgen ist auch die zuweilen amüsante Zitatensammlung sogar für jene empfehlenswert, die dem Millenniumstrubel die kalte Schulter zeigen möchten. A. A.

Brandau, Birgit; Schickert, Hartmut: Der kleine Jahrtausendbegleiter. München (u. a.): Piper-Verl., 1999. 182 S. (Serie Piper) DM / sFr 14,- / öS 102,-