Kein Historiker und kein Marxist ist Gero Jenner. Er liefert praktische Kritik in gut verständlicher Sprache, und eine theoretische Verankerung seiner Gedanken in einer Denkschule ist ihm nicht wichtig. Auch er will Schluss machen mit den Schulden, zumindest mit fast allen Schulden.

 

Jenner kritisiert die bestehende Wirtschaftsordnung. Unkontrollierte Globalisierung habe nicht nur die nationalen Regierungen veranlasst, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten an die Europäische Union zu delegieren. Auch die Union habe ihre Fähigkeiten eingebüßt, in der Auseinandersetzung mit Rating-Agenturen und Interessensvertretern der Industrie. Wenn die Europäische Union heute vorgibt Griechenland zu retten, schütze sie vor allem die reichen Geldgeber und verlange Einschnitte bei der Bevölkerung – nicht nur in Griechenland.

 

Der Autor bemüht sich auch um konkrete Vorschläge und propagiert eine Obergrenze für „privates (im Unterschied zu betrieblichem, privat nicht nutzbarem)Vermögen“ (S. 211). Der Staat solle sie so festsetzen, dass das Einkommen nicht über „jeden möglichen Konsum“ hinausgehen könne. Weiters sollen die Schulden der unteren 90 Prozent der Gesellschaft gelöscht werden. Beides müsse flankiert werden durch eine „Immunisierung“ der Gesellschaft gegen Steuerflucht. Weiters schlägt Jenner eine progressive Besteuerung des individuellen Konsums vor und Aufhebung der Besteuerung von Arbeit. S. W.

 

Jenner, Gero: Von der Krise ins Chaos. Wann kommt der finale Crash? Wien: Signum, 2012. 255 S., € 22,95 [D], 23,65 [A], sFr 32,10

 

ISBN 978-3-85436-429-0