Thomas Morus ließ das Büchlein - -Ein wahrhaft kostbares und ebenso bekömmliches wie kurzweiliges Buch über die beste Staatsverfassung und die neue Insel Utopia« 1516 im Auftrag des englischen Königs erscheinen. Es hat einer ganzen Literaturgattung den Namen gegeben. »Utopie« bedeutet wörtlich »Nirgendwo«. Morus nannte seine ferne Insel» Utopia -. auf der, ihrem fiktiven Charakter entsprechend, ein ideales Gemeinwesen existiert. Ein Wunschland, das alle wirtschaftlichen und sozialen, sittlichen und geistigen Nöte und Widersprüche des Daseins durch eine neue Form des gesellschaftlichen Aufbaus zu lösen versucht. Wurde bis weit ins Mittelalter hinein das Bessere als ein Verlorenes, durch Rückbesinnung erneut zu Gewinnendes gedacht, ist bei Morus das Idealbild frei vom Rückblick auf die Vergangenheit. Wie ernst gedacht die Erzählung vom Idealstaat Utopia war, ob Satire auf die Gegenwart oder nur heiteres Gedankenspiel, bleibt offen. Die phantasievoll eigenwilligen Illustrationen Prechtls bewegen sich in diesem Freiraum und versuchen, die Aktualität von Utopia durch Anspielungen auf unsere Gegenwart sichtbar zu machen. In Anmerkungen lässt Irving Fetscher in Art eines »himmlischen Stenogramms« die Bilder von Morus selbst kommentieren.  Unzählige Male wurde die Bewertung von Thomas Morus vorgenommen. Die Analytiker interpretieren den Autor als Vordenker des utopischen Sozialismus bis hin zum Konservativen. Seit der Veröffentlichung von »Utopia« war der Terminus dazu ausersehen, mehr oder weniger unterschiedslos Werke in verschiedenen literarischen Gattungen zu bezeichnen, die eine Gesellschaft ausmalen, die von menschlichen Unvollkommenheiten frei ist. Zweifellos waren die Schriften Morus und seiner Humanistenfreunde zur Zeit der Renaissance Ausdruck einer geistigen und sozialen Liberalisierungswelle. Als sich Morus 1536 weigerte, den Eid auf den König als Oberhaupt der Kirche zu leisten, wurde er 1535 zur Enthauptung begnadigt. 1935 wurde er heiliggesprochen.

 Morus, Thomas: Utopia. (Mit Bildern von MichaeI Mathias Prechtl). München: Beck, 1987. 189 S.