Der Wirtschaftswissenschaftler Daniel Cohen hält die Angst für unbegründet, der technische Fortschritt könne das „Ende der Arbeit“ bedeuten und den einzelnen Menschen überflüssig machen. Gleichzeitig erteilt er aber auch der Euphorie um die „Neue Arbeit“ eine Absage.

Wir leben gegenwärtig in einer Phase des Übergangs, die noch nicht abgeschlossen ist. „Auch die ‚modernen Zeiten’ des 20. Jahrhunderts enthielten eine solche Übergangsphase, in der eine Zeitlang die Versuchung des Totalitarismus unwiderstehlich schien.“ (S. 140) Diese Rolle hat heute nach Cohen der Neoliberalismus übernommen.

In historischen Rückblenden von der Industrialisierung (Krise von 1929, Fordismus) über die Geldpolitik in der EU bis zum Informationszeitalter wird dargelegt, dass die Spezialisierung der fordistischen Welt durch die Vielseitigkeit der Gegenwart ersetzt wird. Darin offenbart sich auch der neue Charakter der Arbeit, deren Vielfalt bzw. Fragmentierung nur deshalb möglich sind, weil herkömmliche Aufgaben ( etwa Büroarbeiten) banalisiert werden oder schlicht und einfach verschwinden. Das wiederum führt zu einer Intensivierung der Arbeit, weil all die verschiedenen, von einer Person übernommenen Aufgabenbereiche sehr spezialisiert sind. Es gibt zweifellos viele Beispiele dafür, dass der technische Fortschritt Arbeitsplätze vernichtet. Cohen widerspricht jedoch dieser scheinbar offensichtlichen Tatsache, indem er keinen globalen Zusammenhang zwischen technischem Fortschritt und Arbeitslosigkeit sieht.

Der renommierte Hochschullehrer sieht das Übel des Kapitalismus nicht darin begründet, dass er den Menschen weniger Arbeit lässt, sondern darin, dass er ihnen zu viel Arbeit aufbürdet. Die Unzufriedenheit in der neuen Arbeitskultur, so Cohen, sei vielmehr im Fehlen einer entsprechenden Sozialregelung begründet. „Solange man kein spezifisches soziales Regelwerk für unsere Zeit entwickelt, hat , wird die Unzufriedenheit mit unserer neuen Arbeitskultur bestehen bleiben.“ (S. 141)

Zudem würden wir heute mehr und mehr erkennen, dass uns die Technik zwar nach und nach von der Not, nicht aber von der Technik selbst befreit. „Jede mit Hilfe der Technik zurückgelegte Etappe verlangt eine zunehmende Anstrengung, um ebendiese Technik zu beherrschen.“ (S. 141) Der Autor fragt sich schließlich, wie es kommt, „dass unser Konsumverlangen trotz des spektakulären Wohlstands unserer Gesellschaft nie gesättigt ist, dass die kapitalistische Gesellschaft das Ausmaß der Bedürfnisse unendlich zu steigern vermag“ (S. 60). Wohl nicht nur, damit uns auch in Zukunft die Arbeit abhanden kommt? A. A.

Cohen, Daniel: Unsere modernen Zeiten. Wie der Mensch die Zukunft überholt. Frankfurt/M.: Campus, 2001. 151 S., DM 39,80 / sFr 36,80 / öS 291,-