Erst auf den zweiten Blick wurde mir klar, worum es in diesem Sammelband geht. Nämlich nicht wie Titel und Aufmachung der Umschlagseite vermuten lassen um Informationen für Kinder, sondern um die Fragen: "Wie können Eltern und Erzieher die Kinder vor radioaktiver Bedrohung schützen "Wie werden Eltern und Kinder mit den Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl fertig?" Ein Schwerpunkt des Buches ist die Auseinandersetzung mit zunehmenden Ängsten der Kinder und Jugendlichen vor der atomaren Bedrohung, wobei betroffen macht, wie sehr die Kinder mit ihren Ängsten alleingelassen werden. Das Prinzip des Vergessens und Verdrängens von Erwachsenen wirkt auch hier. Der Beitrag des Mitherausgebers Ulrich Wimmer, Direktor der städtischen Kinderklinik Darmstadt über" Krebsgefährdung von Kindern und genetische Schäden durch radioaktive Strahlung" gibt übersichtlich Auskunft über physikalische und biologische Grundlagen und das Ausmaß der Belastung durch Tschernobyl. Im Anhang wird die Aufforderung zum politischen Handeln unterstützt durch Beispiele von offenen Briefen an Politiker und Stellungnahmen verschiedener engagierter Organisationen. Vor allem die eingestreuten Erlebnisberichte von Kindern und Müttern gehen unter die Haut und mobilisieren die eigenen mehr oder weniger verdrängten Ängste, nicht ohne die Aufforderung, sie kreativ umzusetzen.

Umweltschutz für Kinder. Thema Radioaktivität. Hrsg. v. Beate v. Devivere u. Ulrich Wimmer. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1989. 127 S. (Fischer alternativ; 4125)