Die Informationen, die heute innerhalb eines Tages verfügbar sind, hatte eine Person des 17. Jahrhunderts in ihrem ganzen Leben zu verarbeiten. Die Fülle des Angebots beinhaltet eine ebensolche Vielfalt an Wahlmöglichkeiten. Die Annahme einer einzigen richtigen Lösung, die den Taylorismus mit seinen akribischen Bemühungen, Arbeitsabläufe zu automatisieren, charakterisierte, führte letztendlich zu einer ”Dehumanisierung der Arbeit", die sich in der Fabriksfertigung niederschlug. Die Unternehmensführung der 50/60er Jahre war geprägt durch ein "Management by Objectives" (MbO), durch Vorgabe klarer Ziele. Dieses lineare Denken hinterfragen die Autoren. In einer unübersichtlichen, inkongruenten Welt ist strategische Planung nicht mehr die einzige Methode im Management. Führung erfordert vielmehr, den Maximen "größer, schneller, mehr" nicht bedingungslos nachzufolgen, sondern auch die Bereitschaft zu Nachdenkpausen und leistungsunorientierten, schöpferischen Phasen mitzubringen. Veränderung erfolgt aber nicht durch revolutionäre Umgestaltung der Verhältnisse, sondern durch "kleine, aber signifikante Schritte". Nach Popper entsteht Fortschritt durch "kühne Vermutung", gefolgt von uneingeschränkter Kritik. Die Annahme, daß die Zukunft ähnlich sein wird wie die Vergangenheit birgt die Gefahr, wichtige wirtschaftliche Veränderungen zu übersehen. Nur der lernende Mensch und die lernende Organisation sind für Entwicklungen offen. Die herkömmliche Strategie, Fehler zu vertuschen bzw. den Verursacher mit Sanktionen zu bestrafen, erweist sich für ein Weiterkommen als kontraproduktiv. Effektiver als Seminare ist "Training on the job". Lernen durch Erfahrung, direkt im beruflichen Tun. Die Führenden der Zukunft werden als Menschen charakterisiert, die ihren Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringen, ihnen Verantwortung überlassen. Mike Walsh, Chef von Union Pacific, hat es folgendermaßen formuliert: "Meine größte Herausforderung besteht darin, meiner Mitarbeiter würdig zu sein, und die Mitarbeiter dieses und der meisten anderen Unternehmen sind zu viel mehr Eigenverantwortung fähig, als sich die meisten Manager das träumen lassen." Kinder, fähig zu experimentieren, unbefangen an Dinge heranzugehen, vorgefertigte Wege außeracht zu lassen und Reisende, die wissen, daß es nicht nur einen richtigen, sondern viele Wege zum Ziel gibt, können als Exponenten gelingenden Lernens angesehen werden.

White, Randall P; Hodgson, Philip; Creiner; Stuart: Überlebensfaktor Führung. Über den zukünftigen Umgang mit Risiko und Unsicherheit im Management. Wien: Signum, 1997. 318 S.,DM 48, - / sFr 44,50 / öS 350