Senghaas geht von der gesellschaftspolitischen Kluft zwischen Liberalismus und Kommunismus aus und fragt, ob die Militarisierung des Konfliktes unausweichlich war. Zwischen der ordnungspolitischen Kategorie und ihren „lnstrumentarien“ besteht kein Zusammenhang. Rüstung folgt einer eigenen Wachstumsdynamik. In den ersten drei Kapiteln wird versucht, eine weltpolitische Lagebeurteilung vorzunehmen, die für die Zukunft Europas von Bedeutung ist. Maßgeblich beeinflusst wird die internationale Politik durch die Art der politischen Bewältigung der Hegemoniekrise der USA. Gleichermaßen bedeutend für die friedenspolitische Analyse ist die Auseinandersetzung mit dem Aufstieg der Sowjetunion zur militärischen Weltmacht. Jede Diskussion über die Zukunft Europas muss auch das problematische Verhältnis ~ der Sowjetunion zu ihren Vorfeldstaaten in Osteuropa einschließen. Im zweiten Teil behandelt Senghaas das Problem der Rolle von Nuklearwaffen in der Sicherheitspolitik und unternimmt vor diesem Hintergrund eine militärstrategische und waffentechnologisch orientierte Abschreckungs- und Rüstungsanalyse. Friedenserhaltung durch Abschreckung und die strategische Verteidigungsinitiative sind weitere wichtige Themen seiner Untersuchung. Der Autor empfiehlt der Friedensbewegung, der offiziellen Politik und auch der Friedensforschung die vertiefte Auseinandersetzung mit weltordnungs- und europapolitischen Problemen.   Arbeiten wie diese haben zweifellos dazu geführt, dass jetzt die Abrüstungsdiskussion von den führenden Mächten ernstgenommen wird und Anstrengungen zu faktischem Rüstungsabbau unternommen werden. Ein wichtiges Buch für all jene, die sich eingehender mit der Thematik beschäftigen wollen. 

Senghaas, Dieter: Die Zukunft Europas. Probleme der Friedensgestaltung. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1986. 273 S. (Edition Suhrkamp; 1339)