Das "Jahrbuch Frieden" bleibt seinem Grundsatz treu. aus der Perspektive handlungsorientierter Friedensforschung über aktuelle Konflikte, über Entwicklungen in den Bereichen Rüstung, Militär und herkömmlicher Sicherheitspolitik zu berichten und über die Chancen und Perspektiven alternativer Friedensarbeit zu reflektieren. Ein wichtiger Bezugspunkt dieser Ausgabe ist der Golfkrieg, der u.a. als „Falschspiel mit der UNO" und als "mörderischer Schießtest" für neue Waffen gewertet wird, den direkt wie indirekt Betroffenen wird „Lernunwilligkeit" attestiert. Sich weiterhin verschärfende Konflikte ortet das Jahrbuch in den Nord-Süd-Beziehungen. Flucht und Abwanderung aus den verarmten Regionen und die (militärische) Abschottung der Reichen sind markante Beispiele dafür, dass die Dritte Welt als neues Feindbild   fungiert. Ein Abschnitt ,,500 Jahre Gewalt in Lateinamerika" stellt den bevorstehenden Jubelfeiern eine kritische Analyse dieses Kontinents und seiner Kolonialisierung entgegen. Kritik und Zustimmung erfährt die KSZE in ihrer Entwicklung zu einem Konfliktregulierungsinstrument insbesondere mit Blick auf Osteuropa. Gefordert wird ein "KSZE-Frauenrat". Die Reorganisierung der NATO nach dem Zerfall der WVO, die Konzentration der europäischen Rüstungsindustrie, Schwierigkeiten mit der Abrüstung der Bundeswehr, deren Suche nach neuen Legitimationsfeldern, etwa in "out-of-area" -Einsätzen, sind weitere erörterte Themen. Die Schlussfolgerungen aus den Protestbewegungen gegen den Golfkrieg und Reflexionen zur „Friedensarbeit" unterscheiden dieses Jahrbuch von anderen wissenschaftlichen Publikationen, die sich auf die Analyse der herkömmlichen Sicherheitspolitik beschränken. Der Wettstreit zwischen Militärlogik und Zivillogik wird als permanente Herausforderung für die Demokratie verstanden, wobei der „Paradigmenwechsel" nur gelingen kann, wenn punktueller Widerstand durch kontinuierliche, sachkompetente Friedensarbeit erweitert wird. H. H.

Jahrbuch Frieden 1992. Hrsg. v. Hanne-Margret Birkenbach ... München: Beck, 1991. 261 5., DM 22,-/ sFr 18,60/ öS 171,60