Bergbauern, die ein Almdorf durch sanften Tourismus einer neuen Nutzung zuführen, ohne die alten Strukturen zu zerstören; Angestellte eines von Krisen geschüttelten Großstahlunternehmens, die ihr von der Schließung bedrohtes Zweigwerk als selbständige Unternehmer weiterführen und durch Innovation und intelligente Produkte zu neuer Blüte führen; Landwirte,   die sich zu Genossenschaften für biologischen Anbau zusammenschließen und eigene Vertriebssysteme in den angrenzenden Städten organisieren; junge Techniker, die Solaranlagen zum Selberbauen entwickeln und ihr Wissen an Selbstbaugruppen weitergeben; die Bevölkerung eines Dorfes, die ein alternatives Energiekonzept verwirklicht; ein arbeitsloser Schlosser, der mit einem neuen, bodenschonenden Ackergerät die Felder rund macht und für Kleinbetriebe kostspielige Großmaschinen ersetzt; ein ausgestiegener Lehrer, der ein ländliches" Institut für angewandte Umwelterziehung" entwickelt; die Beispiele ließen sich fortsetzen. Ihnen gemeinsam ist: Menschen in Randzonen (sogenannten „entwicklungsschwachen Regionen") haben zur Selbsthilfe gegriffen, sie gehen neue Wege, die Ökonomie und Ökologie verbinden und Arbeit als Teil der Selbstverwirklichung sehen. Eine Stütze finden die Projekte in der "Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für eigenständige Regionalentwicklung" (ÖAR), die den Ideen und Vorhaben mit geistiger und geringer finanzieller Hilfe oft den letzten notwendigen Impuls zur Verwirklichung gibt. Das Motto lautet: Eigenständige Regionalentwicklung ist nur möglich durch "eigenständige Menschenentwicklung ". Der Autor vermittelt dies in seinen Reportagen eindrucksvoll. Immer wieder kommen die Akteure, die als "soziale und wirtschaftliche Dissidenten" sich ihrer „Alltagsprofessionalität" besinnen und sich so ein Stück Resistenz gegen den von "oben" verordneten Fortschritt zurückerobern, selbst zu Wort. Entgegen dem von Waldert kritisierten, an oberflächlicher "Effizienz" orientierten Denken etwa der industrialisierten Landwirtschaft, des Massentourismus oder der Politik der großen Energieunternehmen erheben die hier vorgestellten Projekte die Bedürfnisse und Lebensvorstellungen der Menschen zum obersten Maßstab und erzielen Wirtschaftlichkeit durch die Integration von Innovation und sozialer Kooperation. H. H.

Waldert, Helmut: Gründungen. Starke Projekte in schwachen Regionen. Wien: Falter-Verl., 1992.400 S.,  DM 44,60 1 sFr 37,801 öS 348