Editorial 4/1988

Im Katastrophenjahr 1988 ist die Zahl derjenigen, die noch an die Zukunft unserer Spezies glauben, sicherlich stark zurückgegangen. Wir haben das Thema „Überleben“ zum Schwerpunkt dieses Hefts gemacht, weil wir zeigen wollen, wie intensiv und von wie vielen verschiedenen Gesichtspunkten aus über dieses Hauptproblem unserer gefährdeten Existenz nachgedacht wird. Wer meint, alle diese Grübeleien nützten nichts mehr, weil es entweder schon zu spät sei oder weil die Lernfähigkeit der Machteliten nicht so weit reiche, dass sie sich zu entschiedenem Kurswechsel entschließen könnten, dem sei empfohlen, die verständliche Ungeduld zu zügeln. Wir können uns nicht wie Münchhausen mit einem Ruck aus dem Sumpf ziehen. Historische Wandlungen brauchen ihre Zeit. Weder Gewaltakte noch Wunder können uns retten, sondern nur die vielfältige, oft mühsame, aber langfristig schlussendlich vielleicht doch erfolgreiche Arbeit an einem Sinneswandel: „neues Denken“, aus dem „neues Handeln“ wachsen muss. Den laufend dokumentieren und damit auch ein wenig beschleunigen wollen wir mit der Arbeit unserer Bibliothek und dieser bescheidenen Publikation.