Die bekannten Fakten privatisierter Sozialleistungen in den europäischen Ländern und der USA werden in dieser Studie der Stiftung "Der private Haushalt" prägnant zusammengefaßt. Gemeinschaftliche, kommunale Einrichtungen werden nur am Rande berücksichtigt. Ob sich etwa Frauen mehr oder minder freiwillig und ausschließlich auf die familiäre Kinder-, Alten- und Behindertenbetreuung und den Haushalt konzentrieren, oder diese Leistungen neben ihrer Berufstätigkeit leisten müssen, hängt von einer Reihe von sozialen Faktoren ab.

Manche schaffen dies durch eine flexible Teilzeitarbeit. Nur ein kleiner Teil kann oder will sich ordnungsgemäß angestellte Haushaltshilfen leisten. Hingegen wird Selbstausbeutung nach Möglichkeit durch schlecht bezahlte Schwarzarbeiterinnen (darunter viele - z. T. illegale - Migrantinnen) ersetzt. Durchgängig ist die unzureichende Entlohnung und soziale Absicherung - vor allem auch die Unfallversicherung. Das - nur schwer finanzierbare - Pflegegeld oder ein „Bürgereinkommen " (in den Niederlanden) kompensiert dies nur teilweise. Angesichts staatlicher Kürzungen im Sozialbudget, die bewährte soziale Dienste und Einrichtungen gefährden, wird daher verstärkt zu privater Vorsorge geraten.

M. Rei.

Private Haushalte und neue Arbeitsmodelle. Arbeitsmarkt und Sozialpolitik im Kontext veränderter Lebensformen. Hrsg. v. Sylvia Gräbe. Frankfurt: Campus, 1995, 157 S., DM / sFr 58,- / ÖS 453