Die ökologische Krise hat dazu geführt, dass Natur mehr und mehr als bedroht, gefährdet und verletzlich erfahren wird. Darum bemüht, den Begriff "Natur" zu definieren, erkennt der Autor, dass ein einheitliches Verständnis in unserer Gesellschaft nicht existiert, sondern dass vielmehr sehr unterschiedliche, widersprüchliche und selektive Inhalte mit "Natur" verbunden werden. Heiland unternimmt zunächst eine geistes- und wissenschaftsgeschichtliche Wanderung von der griechischen Antike bis zu den Gesellschaftstheorien im 19. Jahrhundert, wobei die historische Darstellung auf ausgewählte europäische Denker beschränkt ist (z.B. Aristoteles, Augustinus, Kopernikus, Descartes, Kant, Darwin u.a.). Dabei erkennt er, dass zu allen Zeiten und unabhängig vom jeweiligen philosophischen Naturverständnis Nützlichkeitsüberlegungen der beherrschende Aspekt des Mensch-Natur-Verhältnisses waren. Er folgert daraus, dass wir von einer "Grunddisposition " des Menschen ausgehen müssen, aus der Auseinandersetzung mit der Natur das Beste für sich herauszuholen. In diesem Bewusstsein wendet sich der Autor der "Umweltethik" zu, die seit zwei Jahrzehnten ein neues Verhältnis des Menschen zur Natur zu begründen und herbeizuführen sucht. Dabei stellt er aktuelle Beiträge zu einem „neuen Naturverständnis" dar (z.B. Jonas "Das Prinzip Verantwortung, Capras "Wendezeit") und würdigt diese kritisch. Der Autor kommt zu dem Schluss vom" Eigen-Sein" der Natur, woraus sich für ihn die Forderung nach einer "Ethik der Vorsicht und des Maßhaltens " und einer veränderten Stellung der Natur im menschlichen Recht ergibt. A.-M. K.

Heiland, Stefan: Naturverständnis. Dimensionen des menschlichen Naturbezugs. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1992, 1855., DM24,80/sFr21,-/öS 193,40