Der Autor umreißt die Mechanismen und Ziele der bundesdeutschen Nutznießersolidargemeinschaft, deren Apriori es ist, daß es keine multikulturelle Gesellschaft gebe; vielmehr handle es sich bei den unterschiedlichen Ausländergruppen und allen anderen Minderheiten um "menschliche Ressourcen", auf die bei passender Wirtschaftslage zurückgegriffen bzw. reagiert werden kann. Das beginnt mit der unterschiedlichen Kategorisierung in "Um- und Aussiedler" bzw. "Fremd- bzw. Gastarbeiter und Asylanten" mit den jeweiligen Konsequenzen für die Behandlung durch Staat und Gesellschaft. Bukows wenig detailliert ausgeführte Vision einer vertretbaren multikulturellen Gesellschaft stellt den für ein Miteinander erforderlichen Minimalkonsens für die Alltagsbewältigung und die im übrigen individuelle Lebensgestaltung in den Mittelpunkt. Dies impliziert ein Optimum an Vielfalt in der Gesellschaft, die für die Bereicherung aller Gruppen wünschenswert scheint. ~ Von Beginn an fordert Bukow für die Sozialwissenschaften mehr als Deskription. Es geht ihm um die Aufdeckung der Intentionen der herrschenden Schichten und den damit verbundenen Entstehungszusammenhang für die Minderheiten. Die sich daraus ergebenden Zukunftsperspektiven bleiben marginal. Nicht ohne Grund. Der Verfasser nennt zwar den Dialog eine wichtige Voraussetzung für die Gestaltung einer multikulturellen Gesellschaft. Ob dieser aber noch möglich ist, wenn er - obgleich weitgehend brillant argumentierend - ca. 80% der Bundesdeutschen ins neonazistische Eck stellt und damit vermutlich entsprechende Gegenreaktionen provoziert, ist zu bezweifeln. S. Sch.

Bukow, Wolf-Dietrich: Leben in der Multikulturellen Gesellschaft. Die Entstehung kleiner Unternehmer und der Umgang mit ethnischen Minderheiten. Opladen: Westdt. Verl., 1993.212 S., DM 36,-/ sFr 30,50 / öS 280,80