lm nunmehr bereits vierten Jahr gibt das "Jahrbuch Ökologie" in bewährter Struktur Einblick in den Standard der Umweltdebatte in Deutschland. Die den Band eröffnenden "Perspektiven" kreisen um die Zukunft der Arbeit (W. Bierter), nationale Schadstoffbilanzen (M. Jänicke), den Begriff Ressourcenproduktivität (K. Kraemer) und - als fiktionalen Rückblick aus dem Jahr 2050 - den Wechsel von der “Verkaufswirtschaft" zur „Dienstleistungswirtschaft (J. C. Bongaerts). Daß ein Unternehmen nicht als eine Instanz zur Behandlung von Stoffflüssen, sondern als eine Koordinationsstelle für die Erstellung funktionaler Optionen" betrachtet wird, kommt einem Paradigmenwechsel gleich, den auch der" Bundesverband Junger Unternehmer" und der BUND einfordern.

Von den insgesamt vier Schwerpunktthemen (mit behandelt werden auch die Bereiche Wasser und Landwirtschaft) greife ich zwei heraus: Den Blick auf partielle Erfolge, vor allem aber Grenzen der Umwelterziehung lenken mit ähnlicher Intention K. M. Mayer-Abich und Beate Seitz-Weinzierl. Ersterer spricht davon, daß "das Artensterben in der Schule begonnen hat" und fordert anstelle von" Kopfgeburten" den bewußten Umgang mit Gefühlen; letztere plädiert für eine Bildung, "die anders denkt, weil sie die andere Seite im Menschen, seine Wahrnehmungsweit, seine'Bedürfriisse. seine Ängste, Hoffnungen und Wünsche rnitdenkt" . Konzepten, Fragen und Folgerungen einer ökologischen Ökonomie widmen sich zum Abschluß dieses Kapitels insgesamt fünf Beiträge, wobei das Spektrum von theoretischen Grundlagen einer erst sich entwickelnden Disziplin bis zu Aspekten der Werthaltung pro- bzw. post-materieller Gesellschaften reicht. Etwas zahnlos, weil von grundsätzlicher Einmütigkeit geprägt, kommt diesmal der "Disput" einher. H. Mohr, R. Kreibich sowie Ankele/Rubik votieren grundsätzlich für "ökologische Produktion" und stimmen darin überein, daß wir weder dauerhaft noch verantwortungsvoll vom Kapital der Evolution leben können. Wichtige Ergänzungen zu diesem Kapitel stammen von G. Altner. Ein Beitrag zur Umweltgeschichte, sowie Exempel, Erfahrungen und Ermutigungen runden den Band ab. Nicht nur Robert Jungk, dessen Andenken dieses Buch gewidmet ist, hätte vor allem an der wahren Geschichte vom "Korken des Kolumbus" seine Freude gehabt. Die jedoch sollte man am besten selbst nachlesen und nachmachen.

W Sp. 

Jahrbuch Ökologie 1995. Hrsg. v. Günter Altner ... München: Beck, 1994. 317 S. (Beck'sche Reihe; 1083) DM 24,-/sFr 22, 10/öS 187,-