Edith Kranvogels Studie bietet neben einer Einführung in die Klimawissenschaft eine Fülle aktueller Zahlen und Daten. Daß diese der modernen Zivilisation ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellen, verwundert heute wohl niemanden mehr. Die trotz aller Warnungen stetig steigenden Emissionen der Spurengase CO2, CH4, N2O und FCKW bringen das so komplexe Klimasystem der Erde langfristig aus dem Gleichgewicht. CO2 absorbiert zusätzlich solare Strahlungsenergie und ist damit zu etwa 50% für den Treibhauseffekt verantwortlich.

Die Industriestaaten setzen jedoch nach wie vor großteils auf fossile Energieträger (1987 37,5% an der globalen Energiegewinnung für kommerzielle Zwecke). Kranvogel präsentiert uns die Rechnung: im Jahr 2100 schätzen die Klimaforscher die Erhöhung der Durchschnittstemperatur unseres Planeten im Vergleich mit der vorindustriellen Zeit auf bis zu 8,3°C. Was dieser Wert bedeutet, kann man ermessen, wenn Fachleute die absolute, noch vertretbare Erwärmungsobergrenze bis zum Jahr 2100 bei 2-2,5°C ansetzen (Meeresspiegelerhöhung und Überschwemmungen bereits inkludiert!).  Die Art und Weise, wie die Autorin, im zweiten Teil des Buches die kulturellen und gesellschaftlichen Ursachen dieser Entwicklungen herausarbeitet, ist beispielhaft für ein neues, interdisziplinäres Wissenschaftsverständnis. Der dritte und letzte Abschnitt diskutiert eine Reihe verschiedener Lösungsansätze, wobei Kranvogel betont, daß nicht lineare, sondern integrative Modelle entwickelt werden müssen, welche der komplexen Umweltproblematik gerecht werden.

Es fallen die bekannten Termini: “sustainability". Ökologisierung der Industrie, Erneuerung des Steuer- und Rechtssystems; doch letztlich wird es vor allem darum gehen, sowohl den politisch Verantwortlichen als auch der teilweise noch zu desinteressierten Öffentlichkeit klarzumachen, welches Spiel wir, laut WalIace Broecker, mit unserem Klima spielen: russisches Roulette.

H. S.

Kranvogel, Edith: Neue Konzepte für die Klimapolitik. Grundlagen und Möglichkeiten. Frankfurt/M.: Lang, 1994.271 S. ca. DM/sFr80,-/öS624,