Meinung, Macht, Manipulation

Ausgabe: 2018 | 1

Journalismus auf dem PrüfstandDie Frage nach der Qualität des Journalismus und ob die Medien von oben gesteuert sind, haben sich auch Michael Steinbrecher und Günther Rage, zwei ausgewiesene Medienexperten an der TU Dortmund, zusammen mit vierzehn jungen StudentInnen des Fachs Journalistik gestellt. In den Beiträgen geht es u. a. um das Verhältnis von Pluralität und Rudel-Journalismus, um die Berichterstattung zum Thema Rechtsradikalismus und um Wege aus der Glaubwürdigkeitskrise. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der Unvoreingenommenheit der Medien, in der Kritik der Vorwurf der „Lügenpresse“. „Die Lösung kann nicht sein, ein fundamentales Misstrauen größerer gesellschaftlicher Gruppen in die Medien und partiell auch in die Demokratie ohnmächtig zur Kenntnis zu nehmen und schulterzuckend einfach weiterzumachen.“ (S. 12f.)

Selbstverständlich sind JournalistInnen nicht frei von Interessen sowie politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, sie haben eine Sozialisation in Gesellschaft und Redaktion durchlaufen. Auch sie durchschauen nicht alle Vorgänge, aber Lügen sind sicher sehr selten, so die Herausgeber. Zudem müssen die Protagonisten auswählen aus einer nahezu unübersehbaren Nachrichtenmenge, was die Auswahl zwangsläufig lückenhaft (vgl. Lückenpresse Nr. ) macht. Wichtig ist auch die Frage, wie in den Medien mit jenen umgegangen werden soll, die im ethischen Sinn nicht gut handeln, für Menschenrechte eintreten, für Gewaltenteilung, für eine unabhängige Justiz, für Meinungsfreiheit, für Frieden und für Asyl für Verfolgte. Oder gibt es je nach politischer Nähe mildernde oder verschärfende Umstände? Es ist an dieser Stelle unmöglich auf alle angesprochenen Facetten einzugehen. Der Bogen spannt sich von der Unterscheidung von Begriffen wie „Haltung“ und „Meinung“, der Entwicklung und Optimierung einer Social-Media-Strategie über den Onlinejournalismus und der Skepsis gegenüber den „Mainstream-Medien” bis hin zu der Frage, wie groß die Gefahr ist, als JournalistIn manipuliert zu werden, und wie die oft erkennbaren Übereinstimmungen vieler Medien zu erklären (Rudeljournalismus) seien. Sehr oft kommt auch der ökonomische Druck zur Sprache, der nicht nur die Leit- und Qualitätsmedien erreicht habe (Veronika Prokhorova), sondern auch der Demokratie insgesamt schade.

Beim Thema Digitalisierung zeigt sich, dass die Perspektive des Journalismus nicht zu trennen ist von der gesellschaftlichen Dystopie. Jedenfalls kommen durch die Vernetzung eine Fülle digitaler Daten hinzu – eine Entwicklung, die den Journalismus bereits massiv verändert hat. Genau deshalb sollten die JournalistInnen im Kampf um Aufmerksamkeit in der schnellen und facettenreichen Medienwelt nicht dem Trend zu Skandalisierung und Boulevardisierung unterliegen, sie sollten nach wie vor die gesellschaftlich relevanten Themen setzen (vgl. S. 204, Victor Fritzen). Ein Weg, Vertrauen zurückzugewinnen im Sinne eines zukunftsfähigen Journalismus sei letztlich die Wertschätzung guter Recherche und die Quellentransparenz.

Den Herausgebern ging es gemeinsam mit den Studierenden darum, selbstkritisch auf die aktuellen Entwicklungen zu schauen. Nicht mehr und nicht weniger. Alfred Auer

 

Bei Amazon kaufenMeinung, Macht, Manipulation. Journalismus auf dem Prüfstand. Hrsg. v. Michael Steinbrecher u. Günther Rager. Frankfurt/M.: Westend-Verl., 2017. 233 S., € 18,- [D], 18,50 [A] ; ISBN 978-3-86489-165-6