Politik ist mehr als öffentliche Machtausübung. Für eine feministische Definition von Politik ist vielmehr das Konzept der „Selbstbefähigung" zentral: als Prozess, durch den unterdrückte Personen ihr eigenes Leben mehr und mehr selbst in die Hand nehmen. In diesem Buch werden 13 Fallstudien über Frauenkultur und Fraueninitiativen in Norwegen, den USA, Spanien, Japan, Griechenland, Großbritannien, Mexiko, Kanada, Uganda, Palästina, Nicaragua, Polen und dem ländlichen Indien (wo das Comprehensive Health Project ein wirksames Mittel für Änderungen an der Basis ist) vorgestellt. Dabei ergibt sich der Schluss, dass bestimmte Strategien in Verbindung mit bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen eine erfolgreiche Selbstbefähigung ergeben: 1) Eine Steigerung des Frauenanteils in gesetzgebenden Körperschaften funktioniert dann am besten wenn die Wahlstrukturen relativ offen sind, Linksparteien existieren und die Werte von Gleichheit und Gruppenrechten kulturell verwurzelt sind (Norwegen, Japan). 2) Wo der Zugang in die Machtstrukturen für Frauen schwierig ist, entwickeln Frauen andere Strategien, um Ihre Anliegen zur Sprache zu bringen, die aus der traditionellen weiblichen Kultur abgeleitet werden (Spanien). 3) Global steht die Frauenbewegung in engem Zusammenhang mit Urbanisierung, Wirtschaftswachstum und Zunahme der Mittelklasse. 4) In Staaten, wo der Zugang zu Regierungsfunktionen den Frauen (und den meisten Männern) verwehrt ist (Uganda, Palästina, Nicaragua, Polen, Indien), arbeiten Frauen mit Männern in nationalistischen und ökonomischen Entwicklungsinitiativen zusammen. 5) Kleine Gruppen, die an der Entwicklung eines weiblichen Selbstbewusstseins arbeiten, können Frauen befähigen, ihre Situation zu ändern.  W. R.

Women Transforming Politics: Worldwide Strategies for Empowerment  (Frauen gestalten die Politik um: Globale Strategien zur Selbstbefähigung). Ed. by Jill M. Bystydzienski. Bloomington, Indiana: Indiana University Press, 1992. 229 S. - US$ 35.- (Paperback: 19.95)