Beate Hoecker, Soziologin an der Universität Bremen, fragt in komparativer Perspektive nach dem Geschlechterverhältnis in der Politik. 16 Beiträge aus den derzeitigen EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen geben jeweils in einem statistischen Teil Auskunft über die politische Beteiligung von Frauen in Parteien, nationalen Parlamenten und Regierungen und im Europäischen Parlament und analysieren anschließend die Ursachen für eine niedrige oder hohe Repräsentanz.

Dabei werden drei Faktoren genauer betrachtet die politische Kultur, Karrieremuster und parteiinterne Rekrutierung und das Wahlsystem im jeweiligen Staat. Norwegen gilt dabei als Vorbild und erhält die "Goldmedaille in Gleichstellungspolitik". (S. 368) Der Befund ist nicht überraschend und macht doch nachdenklich: 20% der Parlamentsmitglieder in EU-Staaten sind Frauen, mit einem Nord-Süd-Gefälle: 40,4% in Schweden und 6% in Griechenland und Frankreich.Ebenso in den Regierungen: 50% in Schweden, 6,5% in Griechenland. Frauen sind meist Ministerinnen in „frauentypischen Ressorts" wie Soziales, Kultur und Bildung. Vor allem die politische Kultur wird als maßgeblicher Faktor herausgestellt eine egalitäre Grundhaltung ist die Basis für eine aktive Gleichstellungspolitik, die die unvollständige Demokratie wesentlich stärkt. Beate Hoecker empfiehlt zur Verbesserung der politischen Kultur auch Initiativen zur Veränderung männlichen Rollenverhaltens und die Einrichtung von Ministerien für die Gleichstellung von Mann und Frau. Österreich hat ein Frauenministerium und liegt im europäischen Mittelfeld. Bemerkenswert ist die „österreichische Lösung", die ohne Quotenregelung auskommt und Konkurrenz von Frauen und Männern um wichtige Positionen umgeht Um den Frauenanteil in Parteigremien zu erhöhen, wurde die Zahl der Mitglieder erhöht. z.B. in der SPÖ (S. 193).


S. A.

Handbuch Politische Partizipation von Frauen in Europa. Hrsg. v. Beate Hoecker. Opladen: Leske & Budrich, 1998. 403 S., DM 48.- / sFr 44,50 / öS 350.-