Dauerarbeitslosigkeit und nicht zuletzt auch der Feminismus haben die Gleichsetzung von Erwerb und Arbeit in Frage gestellt und das Thema Eigenarbeit auch den Sozialwissenschaften erschlossen. Der vorliegende Band fasst im ersten Teil empirisches Material über organisierte Eigenarbeit zusammen, wobei v.a.  die Rolle der Haushalte als Wohlfahrtsproduzenten in der BRD und Österreich dargestellt wird. Wie J. Merz u. K. Wolff belegen, sind die hauptberuflich erworbenen Einkommen von 54% aller deutschen Haushalte nur knapp unter bzw. unwesentlich über der offiziellen Armutsgrenze gelegen, weshalb über ein Drittel der Haupterwerbstätigen noch mindestens einer weiteren Aktivität nachgeht. Zeitersparnis, der Zugang zu technologischem Wissen und Vertrauen in die eigene Leistung sind dagegen Gründe für das Anwachsen der unbezahlten Eigenarbeit. Internationale Beispiele im (selbst)organisierten Umgang mit freiwilliger Tätigkeit vermittelt der zweite Abschnitt. Besonders hervorzuheben sind dabei die erfolgreich praktizierten Modelle von "Leistungsguthaben" (Service Credits) in den USA sowie der Beitrag über kanadische Erfahrungen mit dem „Local Employment and Trading System" (LETS). Während im ersten Fall eine lokal beschränkte Währung als Tauschmedium für soziale Dienste etabliert wurde, ist LETS mit der Landeswährung konvertibel, aber doch ein Geld von besonderer Art: Da die "Grünen Dollars" nicht verzinsbar sind, ist dieses Geld nicht Objekt der Begierde, sondern Sozialwährung. Zwar gibt es da wie dort auch Probleme, doch überwiegt eine "Dynamik der Hoffnung", die aus Konsumenten und Bittstellern Produzenten und selbstbewusste Bürger macht. 

Formen der Eigenarbeit. Theorie, Empirie, Vorschläge. Hrsg. v. Rolf G. Heinze ... Opladen: Westdt. Verl., 1990. 265 5., DM 38,-1 sFr 32,60 1 öS 296,40