Um der bei der UNCED verabschiedeten Klimakonvention wirklich zum Durchbruch zu verhelfen, sei so der Mitherausgeber dieses Bandes, Rolf Kreibich, - eine "sustainable economy" nötig. Der industrielle Norden müsse sich vom "verschwenderischen Verbrauchsmodell und einer wertstoffvernichtenden Wirtschaft verabschieden" sowie eine neue Energiepolitik finden. Unter dem Motto "Von Rio nach Berlin" fordert der Leiter des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) "nationale Pflichtenhefte" zur Umsetzung der 1992 von der Staatengemeinschaft verabschiedeten Umweltziele.

Mehr Energieeffizienz und Umstellung auf erneuerbare Energien lauten die mittlerweile gutbekannten Säulen einer zukunftsfähigen Energiestrategie. Verteuerung der fossilen und atomaren Energie um 5-10% pro Jahr, Schaffung dezentraler Energiedienstleistungsunternehmen, neue Energiekennzahlen für das Bauen (Novellierung der Wärmeschutzverordnung), mehr Energieberatung, Vorbildwirkung der öffentlichen Hand sowie verbindliche Bebauungspläne für Solararchitektur ("Recht auf Sonne") so die wichtigsten Empfehlungen des Zukunftsforschers ans "nationale Pflichtenheft" der BRD. Der vorliegende Band dokumentiert Bemühungen einzelner Kommunen, etwas von diesen Zielen zu verwirklichen.

Eine vom Stadtsenat. der Energiewirtschaft und einer Bank gemeinsam getragene Energieagentur etwa fördert in Berlin innovative und energiesparende Technologien; großes Augenmerk legt die neue BRD-Metropole auf Energieberatung sowie ökologische Kriterien bei öffentlichen Bauausschreibungen. Aus Rottweil wird von einem neuen Nutzwärmekonzept (u.a. mit Müllvergärungsanlage zur Stromerzeugung) sowie einem Energie-Info-Center berichtet; die Übernahme der Stromverteilung von den EVU und Wiederbegrünungsprojekte vermeidet die Stadt Schwerte. Aufhorchen lässt eine Regelung der Stadt Schopfheim, die den Erwerb öffentlicher Baugründe an die Einhaltung von bestimmten Energiekennzahlen bindet.

"Mit der Sonne bauen" heißt das Motto des zweiten Teils des Buches, der beispielhafte Lösungen von Solararchitektur vorstellt, etwa das Bürogebäude „Technorama" in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens, das neue wärmedämmende Glasarchitektur sowie Erdwärmenutzung verwirklicht. Vorgestellt werden weiters Modelle für Niedrigenergiehäuser, solare Nahwärmeversorgungssysteme sowie das 1989 gegründete Berliner Projekt ATLANTIS, das sich der Schaffung neuer Arbeitsplätze im Bereich Umwelttechnik und Solarenergie widmet. Als Trends der vorgestellten Projekte lassen sich festmachen: das Bemühen der Kommunen um mehr Einfluß bzw. Verfügungsmacht über die Energieversorgung, erste Fortschritte im Bereich des Energiesparens durch wärmeisolierendes Bauen, Bevorzugung erd- oder biogasbetriebener Blockheizkraftwerke gegenüber Photovoltaikanlagen im Bereich alternativer Energieerzeugung.

H.H.

Modelle für den Klimaschutz. Kommunale Konzepte und soziale Initiativen für erneuerbare Energien. Hrsg. v. Michael Knoll ...

Weinheim: Beitz, 7994. 264 S. (ZukunftsStudien, 13) DM 48,- / sFr 44,20/ öS 375